Welt-Gebets-Kongress
FÜR DAS LEBEN
in Fatima, Portugal, 4. – 8. Oktober
2006
„Maria, Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an.” (Johannes
Paul II., Evangelium vitae 105)
Vortrag Nr. 7
Gehalten am
5. Oktober 2006
von Madre Virginia Beretta f d c c
Gianna Beretta Molla – Familienmutter, Ärztin,
Heilige
Zu allererst möchte ich Herrn Pius Stössel dafür danken, dass er Gianna
als Patronin für die Stiftung „JA zum Leben – International“ ausgewählt hat und auch dafür, dass er mich
heute hierher auf den Kongreß eingeladen hat, um für ihr Leben Zeugnis
abzulegen.
Ich begrüße sehr herzlich alle
Anwesenden, auch im Namen meines Schwagers Pietro und im Namen von Gianna
Emanuela.
Ich möchte die Gottesmutter von Fatima
bitten, die Botschaft Giannas allen Müttern der Welt zukommen zu lassen,
unabhängig von ihrem religiösen Bekenntnis.
Meine Schwester Gianna ist in Magenta (Mailand)
im Haus unserer Großeltern väterlicherseits am
Sie wurde am 11. Oktober in der Basilika des Hl. Martin in Magenta auf den Namen Gianna Francesca getauft.
Sie war die zehnte von dreizehn Geschwistern, von denen fünf schon im
frühen Kindesalter verstorben sind. Drei von uns haben sich für den Ordensstand
entschlossen: mein Bruder Enrico, der als Arzt und Kapuzinerpater mit dem
Ordensnamen Alberto in der Mission in Grajaù (Brasilien) tätig war, Giuseppe,
der noch in der Diözese Bergamo als Priester und Ingenieur lebt, und ich als
Ärztin, Ordensschwester (Madre Canossiana) und Missionarin in Indien.
Unsere Familie hat bis 1925 in Mailand
gelebt, wo wir achtzehn Jahre hindurch die Kapuzinerkirche in Corso Monforte besuchten.
1925 starben drei Geschwister von uns
noch sehr jung an der spanischen Grippe, und nach einer Tuberkuloseinfektion
unserer sechzehnjährigen Schwester Amalia zogen wir nach Bergamo, wo die Luft gesünder als in Mailand war.
Unser Papa Alberto, der wie Gianna in Magenta das Licht der Welt erblickt
hatte, arbeitete als Angestellter in der
Baumwollfabrik Cantoni. Er brachte große Opfer, um uns Kindern ein
Studium bis zum Doktorat zu ermöglichen. Dafür strich er alle Ausgaben, die er
für unnötig hielt. Ich erinnere mich, dass er plötzlich nicht einmal mehr seine
Zigarre rauchte, bei der er sich
Auch unsere Mama, Maria de Micheli, war eine tiefgläubige Frau, die eifrig
karitativ tätig war. Sie hatte einen demütigen und gleichzeitig starken und
entschlossenen Charakter. Auch sie ging jeden Tag mit uns Kindern zur Hl.
Messe, nachdem unser Vater mit dem Zug nach Mailand zur Arbeit gefahren war.
Mama Maria beschäftigte sich mit jedem
Kind so, als ob es ein Einzelkind gewesen wäre. Sie hielt uns bei der Erziehung
dazu an, unsere Fehler selbst einzusehen. Manchmal genügte dazu schon ein
einziger Blick von ihr. Sie war immer für uns da: Sie lernte sogar Latein und
Griechisch, um uns beim Lernen besser helfen zu können.
In dieser liebevollen und gläubigen
familiären Umgebung empfing Gianna die Erstkommunion mit nur fünfeinhalb Jahren
in der Pfarre Prepositurale di Santa
Grata in Bergamo Alta. Von diesem Tag an ging sie mit der Mutter täglich
zur Hl. Messe. Der tägliche Kommunionempfang
wurde zur „unverzichtbaren Speise eines
jeden Tages“, zur Stütze und zum Licht in ihrem kindlichen Dasein, während
ihrer Reifejahre und in ihrer Jungmädchenzeit. Mit acht Jahren wurde sie im Dom zu Bergamo gefirmt.
Sie wuchs heiter und unbeschwert auf,
setzte sich für die Geschwister ein, für mich auf besondere Weise: Da ich drei
Jahre jünger als sie war, gab es zwischen uns ein besonderes Einvernehmen. Sie
blieb nie ohne Beschäftigung: sie liebte die schönen Dinge, die Musik, die
Malerei und die Ausflüge in die Berge.
Während ihrer Jugendzeit durchlitt sie
auch Prüfungen und Schwierigkeiten, die jedoch aufgrund ihres tiefgläubigen
Lebens keine Traumen hinterließen, im Gegenteil, sie verfeinerten ihre
Sensibilität und Tugendhaftigkeit.
Im Jänner 1937 starb unsere geliebte Schwester Amalia mit 26 Jahren. Unsere
Familie übersiedelte nach Genua Quinto al Mare, eine Universitätsstadt. Das
ermöglichte uns zusammen zu bleiben, so wie es sich unser Papa Alberto immer
gewünscht hatte. Hier ging Gianna in die 5. Gymnasialklasse bei den
Dorotheenschwestern.
Während unseres Aufenthaltes in Genua
vertiefte Gianna ihr spirituelles Leben. Als sie im März
1938 beim Jesuitenpater
Michele Avedano geistliche
Exerzitien machte, erfuhr sie mit fünfzehneinhalb Jahren Grundlegendes und für ihr ganzes Leben
Bestimmendes. Es gibt zu diesen Exerzitien ein 30 Seiten langes Heft mit Erinnerungen und Gebeten von Gianna.
Hier liest man folgenden Vorsatz: „Ich will die Todsünde meiden, als ob sie
eine giftige Schlange wäre; und ich wiederhole nochmals: Lieber hundertmal
sterben als den Herrn beleidigen.“
Und unter den Gebeten findet sich das folgende: „Oh Jesus, ich verspreche
dir, mich in alles zu fügen, was mir zustößt, laß mich aber nur Deinen Willen
erkennen....“
Auch Monsignore Righetti, der Pfarrer von Quinto al Mare, ein
Liturgiker, trug viel zur spirituellen Reife Giannas bei. Er wurde ihr
Seelenführer und gewann sie als Mitarbeiterin für die Kleinen innerhalb der Katholischen Aktion. Er begeisterte sie
für die Liturgie, die für sie eine Quelle geistlichen Lebens darstellte.
Als sie die 5. Klasse Gymnasium beendet
hatte, suspendierten sie die Eltern für ein Jahr vom Schulunterricht, da sie
eine schwächliche Konstitution hatte. Sie unterwarf sich willig der
Entscheidung der Eltern und verbrachte ein ganzes Jahr mit ihnen, zufrieden,
sie besser kennenlernen zu können und auch deren Tugenden nachahmen zu können.
Im Oktober 1939 ging sie wieder in Genua zur Schule, ins klassische Gymnasium.
1941, mitten im
Krieg, kehrte unsere Familie nach Bergamo in das Haus der Großeltern
mütterlicherseits zurück, da Mama, die schon ein schwaches Herz hatte, die
Bombardements nicht aushalten konnte.
Nach der Matura verloren Gianna
und wir alle beide Elternteile, innerhalb von nur vier Monaten. Zuerst
starb Mama am
Wir entschlossen uns, alle in das Haus
unserer väterlichen Großeltern nach Magenta
zurückzukehren, wo Gianna auf die Welt gekommen war.
Im November des gleichen Jahres
inskribierte Gianna an der Fakultät für
Medizin und Chirurgie, zunächst in Mailand; später in Pavia, wo sie am
Ich habe noch einige sehr lebendige
Eindrücke aus unserer Universitätszeit, die wir gemeinsam verbrachten. Sie war
ein liebes Mädchen, willensstark und zurückhaltend. Ihr geistliches Leben war
sehr intensiv: Täglich ging sie zur Hl. Messe und zur Hl. Kommunion, sie
besuchte die eucharistische Anbetung, hielt Betrachtungen und betete den
heiligen Rosenkranz.
Während dieser Studienzeit arbeiteten
Gianna, meine Schwester Zita und ich in der Pfarrgemeinde und im Oratorium der Madri Canossiane
mit, das sich in Magenta befand. Dieser Ort der Jugendarbeit wurde wie ein
zweites Zuhause für uns.
Gianna studierte eifrig und lebte ihren
Glauben großherzig unter den jungen Leuten der Katholischen Aktion. In dem Bewußtsein, dass „Gott einen fröhlichen
Geber liebt“ (2 Kor 9, 7), sorgte sie sich in den sogenannten „Konferenzen der Damen vom Heiligen Vinzenz“
liebevoll um Alte und Hilfsbedürftige. Sie liebte Gott und wollte viele
ebenfalls zu dieser Haltung bringen.
Eine Freundin gab folgendes Zeugnis: „Gianna
schenkte ihr offenes Lächeln, sie war voll Freude und innerer Ruhe, was ihren
Seelenfrieden widerspiegelte.“
Im Juli
1950 eröffnete Gianna ein medizinisches
Ambulatorium in Mesero
und half bei Bedarf auch ihrem Bruder Ferdinand, der Arzt in Magenta war.
1952 spezialisierte
sie sich in Kinderheilkunde in Mailand. Sie bevorzugte als Patienten vor allem Arme, Alte,
Mütter und Kinder.
Sie lebte den Arztberuf als ihre Mission
und bildete sich ständig weiter. Sie versuchte, den Leuten an Leib und Seele zu
helfen. In der Katholischen Aktion setzte sie sich auch immer mehr für die ganz
jungen Mädchen ein. Erholung fand sie in der Musik, in der Malerei, beim
Schifahren und Wandern, wobei sie ihre
große Freude am Leben und an der Schöpfung ausdrückte.
Sie suchte nach ihrer Berufung, indem
sie dafür betete und beten ließ, und betrachtete die Berufung als Gottes
Geschenk. Sie war davon überzeugt, dass die irdische und ewige Seligkeit
von unserer Treue zur Berufung abhängt.
Mein Bruder Alberto, der Arzt und Missionar in Brasilien war, hielt brieflichen Kontakt zu ihr.
Er berichtete über das riesige Arbeitspensum, das täglich zu bewältigen war,
und wegen dieser Situation des Bruders fühlte sich Gianna berufen, zu ihm nach Grajaù
zu gehen, um ihm zu helfen. Aber ihre körperliche Konstitution war nicht stark,
und ihr Seelenführer konnte sie davon überzeugen, dass dies nicht ihre Berufung
sei. Gianna nahm es an und wartete auf ein Zeichen Gottes.
Am
Die offizielle Verlobung wurde
am
Gianna und Pietro lebten ihre Liebe
ganz im Zeichen des Glaubens. „Liebster Pietro...“, schrieb Gianna
am
Gianna verbrachte eine sehr frohe und
glückliche Verlobungszeit. Sie dankte dem Herrn und betete. Sie hatte
klare Vorstellungen über die Gestaltung der neuen Familie und gleichzeitig
steckte sie Pietro mit ihrer großen Lebensfreude an, erkundigte sich, wie sie
ihn denn glücklich machen könnte und was sie dazu beitragen könne, und lud ihn
ein, zusammen mit ihr dem Herrn für das Geschenk des Lebens und all die schönen
Dinge zu danken,
Sie schlug ihrem zukünftigen Ehegatten
vor, sich spirituell auf das Sakrament der Ehe mit einem Triduum sowie
mit Heiliger Messe und Heiliger Kommunion vorzubereiten: Und zwar Pietro im
Kirchlein der Muttergottes vom Guten Rat in Ponte Nuovo; sie selbst in der Wallfahrtskirche Mariä-Himmelfahrt in
Magenta. Pietro war Gianna dankbar für den heiligen Vorschlag eines
Triduums und machte begeistert mit.
Die beiden schlossen den Bund der
Ehe am
Sie wohnten daraufhin in Ponte Nuovo von Magenta, in dem hübschen, für die
Familie des Direktors vorgesehenen Haus der S.A.F.F.A. Werke, wenige Meter vom Kirchlein der Muttergottes vom Guten Rat entfernt,
wohin Gianna jetzt täglich ging, um die Hl. Messe zu besuchen.
Sie war als Ehefrau glücklich,
und der Herr erhörte bald ihren großen Wunsch, auch eine glückliche Mama
zu werden: Am
Gianna verstand es, in Einfachheit und
Ausgewogenheit, ihre Pflichten als Mutter, Ehefrau und Ärztin harmonisch mit
ihrer großen Lebensfreude zu vereinen.
In dieser Harmonie lebte sie ihren
großen Glauben, der alle ihre Handlungen und Entscheidungen freudig und
überzeugend prägte.
In der Lebens- und Liebesgemeinschaft
der Familie, die durch die Geburt der Kinder noch mehr Pflichten mit sich
brachte, fühlte sie sich sehr zufrieden. Der Wunsch, eine kinderreiche Familie
wie die unsere zu haben, blieb in ihr immer lebendig. Leider konnte sie zu
ihrem großen Kummer zwei Schwangerschaften nicht zu Ende austragen.
Das Geheimnis des
Leidens und Giannas Vertrauen in die Vorsehung
Im September
1961, gegen Ende des zweiten Monats einer neuen Schwangerschaft,
wurde Gianna vom Leid und dem Geheimnis des Schmerzes eingeholt: Ein großes Fibrom, eine gutartige Geschwulst am Uterus, wurde entdeckt. Vor der Operation
im Spital San Gerardo di Monza
flehte sie den Chirurgen an, das Kind in ihrem Schoß zu retten. Sie als
Ärztin, wußte genau um das Risiko, welches die Weiterführung der
Schwangerschaft mit sich brachte. Sie vertraute dem Gebet und der göttlichen
Vorsehung. Das Kind in ihrem Schoß konnte gerettet werden. Gianna dankte dem
Herrn und verbrachte die sieben Monate, die sie von der Entbindung trennten,
mit unvergleichlicher Seelenstärke und unverändertem Einsatz als Mutter und
Ärztin. Sie fürchtete, das Kind könnte irgendwie beeinträchtigt auf die Welt
kommen; sie betete zu Gott, dass Er es abwenden möge.
Einige Tage vor der Geburt war sie
bereit, ihr Leben für das ihres Kindes hinzugeben. Sie legte ihr Leben
völlig in die Hand Gottes. Ihr Gatte Pietro erinnert sich: „Sie sagte
mir ausdrücklich, in entschlossenem Ton, der auch freudig war und mit einem
ernsten Blick, den ich nie vergessen werde: Wenn ihr zwischen mir und dem Kind entscheiden müßt, zögert nicht.
Wählt – ich fordere es – das Kind. Rettet es.“
Pietro, der sehr genau die
Großzügigkeit seiner Gianna kannte, ihren Opfergeist, ihre reifliche Überlegung
und die Gültigkeit ihrer Entscheidungen, fühlte sich verpflichtet, ihren
Entschluß zu respektieren, auch wenn er extrem schmerzhaft für ihn und die
Kinder war.
Das Kind, das Gianna noch im Schoß trug, hatte für sie das gleiche Lebensrecht
wie Pierluigi, Mariolina und Laura, und sie
selbst sah sich in diesem Augenblick als einziges verantwortliches Werkzeug der
göttlichen Vorsehung für das kleine Menschenkind, das zur Welt kommen sollte.
Ihre anderen Kinder, deren Erziehung und deren Wachstum, vertraute sie über
ihre Verwandten ganz der göttlichen Vorsehung an.
Die Wahl Giannas wurde von ihrem Gewissen als Mutter
und Ärztin diktiert und kann aufgrund ihrer fundamentalen Prinzipien gut
verstanden werden: sie handelte aus ihrem tiefen Glauben, aus ihrer
festen Überzeugung vom hochheiligen Recht auf Leben, aus dem Heldenmut
der mütterlichen Liebe und aus dem totalen Vertrauen auf die göttliche
Vorsehung heraus.
Das Opfer
und das Geschenk des Lebens
Am Nachmittag des
Am Morgen des 21. April, dem
Karsamstag, wurde ihre Tochter Gianna
Emanuela per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, und für Gianna begann nun der Leidensweg nach
Kalvaria, sie begleitete gleichsam ihren geliebten Jesus zum Kalvarienberg.
Schon wenige Stunden nach der Geburt
verschlechterte sich ihr Allgemeinzustand: Immer höheres Fieber, heftigste
Abdominalschmerzen traten im Zuge einer septischen
Peritonitis auf.
Ich war zu diesem Zeitpunkt Missionarin
in Indien. Durch die göttliche Vorsehung und völlig unerwartet wurde mir
Heimaturlaub gewährt. Ich kam genau vier Tage vor ihrem Tod nach Italien und
konnte ihr somit auf ihrem Sterbensweg beistehen. Die ersten Worte, die sie
sagte, als ich in ihr Zimmer eintrat, waren: „Wenn du wüßtest, Ginia, was es heißt, zu sterben, wenn man vier
kleine Kinder zurücklassen muß!“ Obwohl sie so sehr an die
Vorsehung glaubte, schmerzte sie der Gedanke, sich nicht mehr persönlich um
ihre Kinder kümmern zu können.
In den letzten Stunden war ich die
ganze Zeit bei Gianna; ich bemerkte, wie sie ihre Leiden mit denen von Jesus
auf Kalvaria verband. Ihre vertraulichen Mitteilungen von damals werde ich
nie vergessen.
Im Krankenbericht Giannas ist vermerkt,
daß sie keine Beruhigungsmittel nehmen wollte, um bei völlig wachem Bewußtsein
dem Herrn ihr Leiden aufopfern zu können. So sagte sie einmal: „Wenn du wüßtest, wie anders man die
Dinge auf dem Totenbett beurteilt, Dinge, die man sonst im Leben für sehr
wichtig hält.“ Dann küßte sie das Kreuz mit großer Liebe, und ich sah,
wie sie sich veränderte. Daraufhin sagte sie mir: „Wieviel Trost habe ich vom Herrn bekommen. Wenn er nicht in
gewissen Momenten da wäre!“
Sie rief ständig Jesus an, um von ihm
die Kraft zum Leiden zu bekommen. Kurze Stoßgebete der Liebe und Hingabe kamen
von ihren Lippen: “Jesus, ich liebe
dich“ – „Jesus, ich bete dich an“ – „Jesus, hilf mir“ – „Mama, hilf mir“ –
„Maria…“ – gefolgt von schweigendem Nachdenken.
Trotz aller Bemühungen der Ärzte
verschlechterte sich ihr Zustand zusehends.
Auch Donnerstag und Freitag wünschte
sie sich Jesus in der Eucharistie, aber aufgrund des ständigen Brechreizes und
um nicht vor dem Herrn respektlos zu sein, mußte sie sich zu ihrem Bedauern
damit begnügen, nur ein winziges Stück Hostie zu empfangen.
Unser Bruder Ferdinand war von Gianna
beauftragt worden, sie mit einem vereinbarten Satz auf den Moment des Todes
vorzubereiten. Ihm fehlte jedoch der Mut dazu. Er übertrug mir diese schwierige
Aufgabe, und im angebrachten Moment sagte ich: „Nur Mut, Gianna, Papa und
Mama sind im Himmel und erwarten dich: Gehst Du gerne dorthin?“ Als ihre
Wimpern sich bewegten, konnte ich ihre vollständige und liebevolle Hingabe an
den göttlichen Willen erkennen, auch wenn es peinvoll für sie war, ihre
geliebten noch so kleinen Kinder verlassen zu müssen. Gleich ihrem geliebten
Jesus weihte sich Gianna ganz dem himmlischen Vater.
Am frühen Morgen des
Sie hat einmal ihren Mädchen von der
Katholischen Aktion gesagt: „Es gibt
so viele Schwierigkeiten, aber mit der Hilfe Gottes sollen wir unseren Weg
immer ohne Angst gehen, und wenn wir im Kampf für unsere Berufung sterben
müßten, dann wäre dies der schönste Tag unseres Lebens.“ Prophetische
Worte!
Am