Welt-Gebets-Kongress für das Leben, in Fatima, 4. – 8. Oktober 2006
„Maria, Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an.” (Johannes Paul II., Evangelium vitae 105)

 

Vortrag Nr. 8

Gehalten am 6. Oktober 2006, Herz – Jesu – Freitag

von P. Dr. Leo-M. Maasburg

 

‚Mich dürstet’ – Mutter Teresas konkrete Antwort auf den Durst Jesu

 

 

 

(Anmerkung der Herausgeber: Da P. Maasburg während seines Vortrags des öfteren von seinem Scriptum abwich, um Ergänzungen, Ausführungen, Beispiele, Zitate etc. anzubringen, ist es – abgesehen von der bereits je eigenen Qualität des gesprochenen Wortes an sich – in diesem Fall besonders angebracht, auch die Audio-Version anzuhören. Kurze Hinweise im Scriptum, beispielsweise der Vermerk „Liturgie: Bedeutung“ gleich zu Beginn oder später etwa die nur angedeutete Erzählung über den hl. Hieronymus, erhellen sich dann von selbst.
Das kleine Mutter-Teresa-Bild am Seitenrand
stellt einen Audio-Link dar: nach dem Anklicken läßt sich Mutter Teresa im O-Ton vernehmen.)

 

 

+

MARIA, DIR VERTRAUEN WIR DIE SACHE DES LEBENS AN

 

Was kann Kreuz heute meinen?

Wie können wir heute teilnehmen an der erlösenden Kraft des Kreuzes?

Mutter Teresas Einsatz für den Geringsten als ihre konkrete Antwort auf Jesu Durst am Kreuz.

 

1. Einleitung

 

Gebet:


Mach uns würdig, Herr,
Unseren Mitmenschen in der ganzen Welt zu dienen,

Die in Armut und Hunger leben und sterben.                                    

Ihr tägliches Brot gib ihnen heute durch unsere Hände

Und durch unsere verständnisvolle Liebe schenk ihnen Frieden und Freude.

Maria, Mutter Jesu – sei uns allen eine Mutter.

 

Ich bin eingeladen worden, zum Thema zu sprechen:

Was kann Kreuz heute meinen?

Und:

Wie können wir heute teilnehmen an der erlösenden Kraft des Kreuzes?

 

Das spezifische Thema:  Mutter Teresas Einsatz für den Geringsten als ihre konkrete Antwort auf den Anruf Jesu (Durst) am Kreuz

 

Ich möchte die Antwort vorweg nehmen: Sie ist einfach: Sie ist enthalten in den Worten der Eucharistie: TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS

 

Was wir im GEDÄCHTNIS an Jesu Kreuz – Tod – und Auferstehung TUN sollen, hoffe ich am Beispiel des Einsatzes von  Mutter Teresa für die Ärmsten der Armen, als ihre konkrete Antwort auf Jesu Durst am Kreuz, verständlich zu machen.

 

LITURGIE – Bedeutung

 

 

„Schon mit 5 ½ Jahren war das Herz Jesu meine große Liebe“

Von Kindheit an war das Herz Jesu meine erste Liebe – Jeden Freitag feiert man die Hl. Messe zu Ehre des Heiligsten Herzen Jesu („laß unser Opfer dir wohlgefallen und zur Sühne für unsere Sünden werden“) – in den Worten des Gabengebetes klingen die Worte des 10. September wider: „Wirst Du das für mich tun?“ Die ganze Familie der Missionaries of Charity ist SEIN WERK, ich habe nur akzeptiert, das Werk für Ihn zu tun – ich habe versucht Seinem Plan zu folgen – bis hin zum letzten Wort. 

 

 

Consecration: "... do this in memory of me" =

will you DO THIS FOR ME? (Jesus to MT)

BE the one (who DOES it)!

 

 

 

2. Die Sehnsucht Jesu am Kreuz

„Durch Dein Kreuz und Leiden hast Du die ganze Welt erlöst“

Schon als 18 jähriger habe ich den Satz nicht verstanden und mich sogar gehörig darüber geärgert, wenn in der Karwoche immer wieder gebetet oder gesungen wird: „Durch Dein Kreuz und Leiden hast Du die ganze Welt erlöst“.

Warum haben die 20 000 Juden, die in den Jahren 20 nach Christus bis zum Jahr 71 – der Einnahme Jerusalems – gekreuzigt wurden, die Welt denn nicht erlöst?

Bis heute sind die Hügel um Jerusalem kahl, weil die Römer alle Bäume geschlägert haben, um daraus Kreuze zu machen.

Warum bewirkt dieses Leiden die Erlösung?

Weil er nicht gehaßt hat – nicht einen Augenblick! – sondern geliebt:

            Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!

 

Japan

Erst eine Geschichte aus dem „heidnischen“ Japan hat mir geholfen, die so unendlich einfache Antwort zu erahnen.

Eine Zeitung berichtete dort vor ein paar Jahren folgende wahre Begebenheit:

Ein vornehmer Japaner wird von seinen Eltern einer japanischen Prinzessin vermählt, die, abgesehen von einer Blindheit an einem Auge, seit ihrer Geburt, auch noch eher unansehnlich ist.

Sehr bald wird sie von ihrem Mann nicht nur verachtet, sondern auch mißhandelt und betrogen. Obwohl sie ihren Mann liebt, wird das eheliche Leben immer unerträglicher.

Eines Tages verletzt sich der Ehemann in seinem Betrieb beide Augen und erblindet. Die Familiensituation wird zur Hölle, die Wutanfälle ihres Ehemanns, der nun völlig abhängig ist von seiner Frau werden immer gewalttätiger.

Eines Tages kommt die gute Nachricht aus dem Spital: ein Netzhautspender hätte sich gefunden und es kann eine Operation an den Augen des Mannes versucht werden.

Die Operation gelingt und das Sehvermögen kehrt Schritt für Schritt zurück. Bei jedem Wechseln des Verbandes werden die Konturen deutlicher und Bilder, die das Auge erkennt, klarer. Als ihm seine Ehefrau wieder einmal liebevoll den Verband abnimmt, erkennt er, daß sie selbst einen Verband über ihrem gesunden Auge trägt und sich nur noch tastend fortbewegen kann. Die Erkenntnis verdichtet sich: sie ist die Netzhautspenderin, die ihr gesundes Auge für ihn gespendet hatte.

Nicht nur sein Auge öffnet sich nun dem Licht, sondern auch sein Herz für die Liebe seiner Frau, die er ab diesem Moment auf Händen trägt.

 

Stellen wir uns vor, sie hätte ihrem Mann nicht verziehen, sondern ihn gehaßt.

Stellen wir uns vor, sie hätte ihn geliebt, aber nichts getan.

 

Liebe beginnt mit Verzeihen und wird im TUN fruchtbar.

 

Liebe muß getan, nicht nur gesagt werden.

Mutter Teresa: „Put your love into a living action“ – Laß deine Liebe zu einer lebendigen Tat werden.

 

Das Kreuz ist „die Tat“ Jesu, mit der er uns zu überzeugen versucht: Ich und der Vater lieben Euch ohne Grenzen, bis über den Tod hinaus.

 

I Thirst – Mich dürstet – Ich sehne mich

In erschütternder Tiefe erfährt Mutter Teresa am 10. September 1946 auf einer Zugfahrt nach Darjeeling im Norden Indiens, daß Gott uns nicht nur so irgendwie liebt, sondern daß die Worte „I Thirst“ – „Mich dürstet“ letzter und höchster Ausdruck der Liebe des Herrn sind, seiner Sehnsucht „… for love and for souls“ – seiner Sehnsucht nach der Liebe seiner Geschöpfe und nach der Rettung ihrer Seelen.

Eine Liebe, die erzwungen ist, ist keine Liebe mehr. Entsprechend ihrer Größe kann sie nur durch immer extremere Taten, Symbole und Gesten der Liebe angeboten werden.

 

Kreuzsymbolik

Eine der – in unseren Kulturkreisen – verbreitesten Gesten, um seine Liebe für jemanden auszudrücken, ist die Umarmung. Um jemanden zu umarmen, muß ich meine Arme öffnen.

Die Boxer-Haltung ermöglicht mir keine Umarmung. Sie symbolisiert auch das Gegenteil von Liebe: Verteidigung, präventive Aggressivität, Mißtrauen, Gewalt.

Um mich in Liebe öffnen zu können, muß ich zwei Schritte TUN:

Verzeihen und

Verwundbar, verletzlich werden.

 

 

 

 

Essig

Die Tat-Sprache der Liebe Jesu – in dem Ausruf  „Mich Dürstet“ – geht aber noch weiter:

„Es stand da ein Kübel mit Essig. Einer der Soldaten tauchte einen Schwamm in den Essig, steckte ihn an einen Spieß und gab ihn Jesus. Nachdem Jesus den Essig genommen hatte, stieß er einen lauten Schrei aus und gab seinen Geist auf.“ 

 

Was ist Essig? Schlecht gewordener Wein!

 

Wie kommt Essig zum Kreuz? Er diente als Waschmittel, in dem sich die Soldaten nach der Kreuzigung das Blut und andere Flüssigkeiten von den Händen und Armen wuschen.

Also wirklich das Letzte! – Und Jesus nimmt es.

 

Die Legende des Hl. Hieronymus, des Übersetzers der Vulgata, der ersten kompletten Bibelausgabe ins Lateinische, erzählt, dass dieser nach der Fertigstellung seines Werks – 40 Jahre Arbeit – sich nach Bethlehem zurückzieht, um dort seinen Lebensabend am Geburtsort seines Herrn zu verbringen .... (Anm.: vollständiger Text auf der Audio-Version)……………

 

„Hieronymus, ich will, daß Du mir Deine Sünden gibst.“ 

 

 

Die Sehnsucht, der „Durst“ Gottes nach der Liebe seiner Kreaturen  

Jede einzelne Person ist dazu geschaffen worden,
„zu lieben und geliebt zu werden”.
Hindu, Moslems, Juden, Kommunisten, Christen –
Es spielt keine Rolle, von welcher Rasse oder Religion sie sind:
Jeder einzelne Mann, jede Frau, jedes Kind ist ein Kind Gottes,
Erschaffen im Ebenbild Gottes.
Und nur darauf schauen wir.

 

 „We have been created to love and to be loved.“

Wir sind geschaffen worden, um zu lieben und geliebt zu werden.

Es ist auch Gottes Sehnsucht, (bei den Menschen zu sein) zu lieben und geliebt zu werden. Ein Liebender kann aber nicht erzwingen, wieder geliebt zu werden. Kaum ist Zwang oder Gewalt im Spiel, ist die Liebe nicht mehr Liebe und der Mensch nicht mehr Ebenbild Gottes. Wahre Liebe ist immer freies Geschenk.

 

 

 

3. Einsatz für die Ärmsten der Armen als Antwort

 

Mutter Teresa war die Sehnsucht Jesu seit jenem 10. September 1946 ins Herz dermaßen tief eingebrannt, daß man die restlichen 50 Jahre ihres Lebens als ein unermüdliches Suchen nach praktischen Möglichkeiten verstehen kann, wie und wo sie diese Sehnsucht Jesu stillen konnte. 

Eine ähnliche Sehnsucht, seinen Gott zu trösten, „der wegen der vielen Sünden so traurig ist“, wird vom kleinen Francisco von Fatima überliefert, der sich ganz strenge Bußübungen auferlegte in der Hoffnung: „Wenn ich Ihm nur irgendwie Freude machen kann“ 

 

Die VISION wird MISSION

„Bringe mich zu den Ärmsten der Armen und sie zu mir“

 

 

 

Bildbeschreibung (Anm.: Vollständiger Text auf der Audio-Version)

 

 

Text:    „Meine Kleine – komm – komm – trage mich in die Höhlen der Armen.

Komm, sei mein Licht – Ich kann nicht alleine gehen – Sie kennen mich nicht – deshalb wollen sie mich auch nicht!

Komm Du mit – geh zu ihnen – trage mich mit Dir unter sie – wie sehr ich mich danach sehne, in ihre dunklen unglücklichen Wohnungen einzutreten!

 

In Deiner Hingabe – in Deiner Liebe für mich – werden sie mich sehen, erkennen und lieben.“

 

„Ich habe Dich gebeten. Sie (die Armen) haben Dich gebeten und Sie, meine Mutter, hat Dich darum gebeten. Wirst du ablehnen, dies für mich zu tun –  mich zu ihnen zu bringen?“

 

„Du weißt, Jesus, ich bin bereit zu gehen, jeden Moment!“

Nacht der Seele von Mutter Teresa

 

Es wird viel über Mutter Teresas Nacht der Seele gesprochen. Ich möchte in diesem Zusammenhang – dem Einsatz für die Ärmsten der Armen – kurz darauf eingehen.

 

1942 Versprechen: „Never to say no to Jesus“ Jesus nie NEIN zu sagen.

Nach den ganzen Gründungsanstrengungen, - Freuden und Leiden erlebt Mutter Teresa plötzlich eine vernichtende Erfahrung der Gottverlassenheit:

 

„Heute – mein Gott – welche Qual der Einsamkeit. Wie lange wird mein Herz von diesem Leiden gefangen sein?  … Tränen rinnen und rinnen. Jeder sieht meine Schwäche.“

 

Und sie bittet gleich:

 

„Mein Gott, gib mir jetzt den Mut, mein Ego und den Versucher zu bekämpfen. Laß mich nicht vor dem Opfer zurückschrecken, das ich aus freier Entscheidung und Überzeugung auf mich genommen habe. …  Unbeflecktes Herz Mariens, meiner Mutter, hab Erbarmen mit Deinem armen Kind.“ 

 

Nach sehr schmerzhaftem Kampf kommt sie zur Erkenntnis:

 

„Jesus wollte uns dadurch helfen, daß er unser Leben, unsere Einsamkeit, unsere Agonie und unseren Tod mit uns mitgetragen hat. All das hat er auf sich genommen und es in der finstersten Nacht getragen. Nur dadurch, daß er mit uns EINS war, hat er uns erlöst! Wir dürfen dasselbe TUN.

Die ganze verzweifelte Lage der Armen muß erlöst werden, nicht nur ihre materielle Armut, sondern auch ihre spirituell verzweifelte Situation muß erlöst werden und wir müssen einen Teil davon auf uns nehmen.“

 

Journalisten haben immer wieder geglaubt, in Mutter Teresa – besonders gegen Ende ihres Lebens – einen „Atheismus“ entdeckt zu haben. Sie konnten nicht unterscheiden zwischen einer, fast möchte ich sagen, „fröhlichen“ oder zumindest „gleichgültigen“ Gottferne eines schweren Sünders und der mystischen Gottferne einer stellvertretend diese Gottferne erleidenden Seele.

Der Unterschied liegt im schwersten Teil des Leidens: Die Opferseele ist in ihrer Gottferne gequält von einer immer stärker werdenden Sehnsucht nach ihrem geliebten Gott.

 

„Was für ein Widerspruch“ – schreibt Mutter Teresa – „in meiner Seele: ein tiefes Verlangen nach Gott, so tief, daß es sehr weh tut – ein ununterbrochenes Leiden“.

An anderer Stelle:

„Die Dunkelheit und die Leere (in meiner Seele) ist nicht so schmerzhaft wie die Sehnsucht nach Gott.“

 


4. Wie können wir heute teilnehmen an der erlösenden Kraft des Kreuzes?

 

Mutter Teresas aufopfernde Hingabe an die Ärmsten der Armen ist bekannt.

Als sie starb, hatte sie 592 Häuser, genauer „Tabernakel“, und eine Ordensfamilie bestehend aus 5 Kongregationen. (Heute sind es um die 750 „Tabernakel“).

Sie hatte die letzen 35 Jahre ihres Lebens im Durchschnitt jeden 2,5. Tag entweder Haus, Land oder Kontinent gewechselt.

Über 5000 ausgefeilte theologisch-spirituelle Briefe wurden bisher gefunden.

Aber diese Dinge „everybody can do“ – kann jeder tun, würde sie sagen, wichtig war aber etwas anderes: wie sie diese Dinge tat.

 

Only all for Jesus – alles nur für Jesus

Sehr oft haben die modernen Medien nur den sozial-caritativen Charakter in Mutter Teresas und ihrer Schwestern Arbeit gesehen. Mutter Teresa aber betonte immer zwei Unterschiede:

 

  1. “We do it not for something but to someone”.  Wir arbeiten nicht für etwas, sondern wir tun es für jemanden.
  2. Das Leiden ist ein treuer „travel companion“ – ein Reisegefährte derer, die für Jesus arbeiten.

„Ohne das Leiden wäre unsere Arbeit Sozialarbeit:  sehr gut und hilfreich, aber es wäre nicht das Werk Christi – es hätte keinen Anteil an der Erlösung.“

 

Vielleicht kann man sagen: was die Effizienz und Professionalität im weltlichen Bereich ist, ist die liebende Opfergesinnung im spirituellen.

 

Matthäus 25: das jüngste Gericht

Was immer ihr dem geringsten eurer Brüder getan habt: „YOU DID IT TO ME“ Das habt ihr mir getan. Darin sah Mutter Teresa das ganze Evangelium.

 

Psalm vom leidenden Knecht:

Psalm 69: “I looked for sympathy, but there was none, for comforters, but I found none. Instead in my thirst they gave me vinegar to drink.“  „Ich hoffte auf Mitgefühl und suchte, wer mich trösten könnte, doch ich fand niemanden. Dafür gab man mir Essig für meinen Durst.”

Be the one! – “Sei Du derjenige”, schrieb sie mit eigenen Händen dazu.

 

„Kleine Dinge mit großer Liebe“

Eines Morgens hilft Mutter Teresa dem Priester bei der Hl. Messe, für die ca. 200 Schwestern Kommunion auszuteilen. Bei der kurzen Morgenbetrachtung im Anschluß an die Hl. Messe sagt sie zu den anwesenden Volontären: „Heute habe ich geholfen die Kommunion auszuteilen. Dabei habe ich Jesus immer wieder mit nur zwei Fingern gehalten. Das hat mir geholfen, eine wichtige Frage zu verstehen: Was können wir denn schon tun, um Jesus zu lieben? Jesus hat sich so klein gemacht, daß er zwischen meinen zwei Fingern Platz hat, um uns zu sagen, daß es nicht darauf ankommt, wie groß die Dinge und Taten sind, die wir tun, sondern daß es darauf ankommt, wie viel Liebe wir in dieses unser Tun legen.

Wichtig ist nicht, Großes zu tun, sondern kleine Dinge mit großer Liebe zu tun“.

 

Gott achtet nicht auf große Taten
Gott achtet darauf, wie viel Liebe wir in das Geben legen.
Gewöhnliche Dinge mit ungewöhnlicher Liebe tun –
Kleine Dinge mit großer Liebe Tun.
Ich werde für Euch beten,
damit ihr gewöhnliche Dinge mit ungewöhnlicher Liebe tun könnt
und so hei
lig werdet ganz für Jesus durch Maria.

 

 

 

„Mother (6)“ vs. „God bless you, Mother Teresa MC (26)“

 

 

MT litt unter schwerer Arthritis – auch in ihren Fingern. Ihre interne Korrespondenz unterschrieb Mutter Teresa bis in die 80er-Jahre mit „Mother“. Ab einem bestimmten Zeitpunkt jedoch immer mit der viel längeren Wendung: „God bless you, Mother Teresa MC“ – „Gott segne dich, Mutter Teresa MC“. Von einem ihrer Priester gefragt, weshalb sie so formal unterschreibe, erklärte sie ihm: „Schau, ‚Mutter’ hat sechs Buchstaben, ‚God bless you, Mother Teresa MC’ aber sechsundzwanzig Buchstaben – und jeder Buchstabe ist ein kleines Opfer für Gott.“

 

Mutter Teresas Verzeihen

In den 7 Jahren, in denen ich in größerer Nähe zu Mutter Teresa sein durfte, ist es nicht ein Mal vorgekommen, daß ich sie hätte schlecht oder negativ über jemanden sprechen hören.

Dabei war es eine Zeit großer Enttäuschungen und Härten und wir wollten natürlich nach jeder ihrer Abwesenheiten die neuesten „saftigen“ Geschichten hören.

Ihre Antwort auf unsere drängenden Fragen war immer: „Father, they were so good to us“ – „Pater, sie waren so gut zu uns. So und so und so haben sie uns geholfen …“

 

 

Immer wieder gab sie ihren Schwestern den Rat:

 

Wenn Dich jemand verletzt oder etwas Schlechtes über dich sagt: frage dich, ob es stimmt, was er sagt. Wenn es stimmt, geh’ und bitte um Verzeihung, wenn es nicht stimmt, „grasp it with both hands“ – packe es mit beiden Händen und gib es Jesus (als kleines Opfer).

 

 

 

5. Das habt ihr mir getan

Moskau 1988

Im Jahr 1988 erhielt Mutter Teresa nach großen Schwierigkeiten und über einem Jahr Wartezeit auf die Visa die Genehmigung, vier Schwestern nach Moskau zu bringen. Besonders die Lage der Kinder war verheerend. Höchste Tötungsraten unter den Ungeborenen und kaum Einrichtungen für behinderte Kinder.

Nach Ihrem Grundsatz: „Wir bekämpfen Abtreibung durch Adoption“ wollte Mutter Teresa jedes Kind nehmen, das man ihr erlaubte. Aus einer Liste durfte sie – ich glaube – 12 Kinder aussuchen. Neben dem Namen und Alter des Kindes stand jeweils die Behinderung oder einfach nur das Wort: „lebensunfähig“. Sie nahm alle „lebensunfähigen“ Kinder, darunter ANDREW, einen Jungen mit ausgemergeltem kleinen Körper, der furchtbar litt und anfangs nur am Boden rutschen konnte. Später stellte sich heraus, daß er nur eine zu kurze Sehne hatte, völlig vernachlässigt und halb verhungert war, weil er im Waisenheim nicht schnell genug zum Suppentopf rutschen konnte und regelmäßig zu kurz kam.

Zusammen mit anderen Kindern brachten die Schwestern Andrew schon bald zu einer Heilmassage. Seine Masseurin wollte den Buben zunächst einmal gar nicht anfassen. Die Russen waren ja der Meinung, daß solche Kinder der Gesellschaft keinen Nutzen bringen würden und daher kein Recht hätten, zu leben.

Anfänglich war Andrew ein ziemlich schlimmes Kind. Die Schwestern sagten, daß er leide, weil er seine leibliche Mutter noch gekannt hatte, die ihn aber abgelegt hatte.

Andrew bekam – wie alle Kinder - von Mutter Teresa eine Wundertätige Medaille an einer Schnur um den Hals, die die Gottesmutter zuvor in Medjugorje durch Marija für Russland gesegnet hatte. Die Schwestern gaben ihm die Medaille und erklärten ihm, daß die Gottesmutter ab jetzt seine Mutter sei. Von diesem Augenblick an war Andrew beim Mittagessen das bravste Kind und küsste fortan immer und immer wieder diese Medaille.

 

Beim Anziehen mußte jeder, der ihm helfen wollte, zuerst die Medaille küssen, erst dann durfte man ihn anfassen. So war es auch bei der Masseurin. Als sie die Medaille sah, wurde sie auf einmal sehr neugierig. Am nächsten Tag bekam auch sie eine Medaille. Ab diesem Moment freute sie sich plötzlich jedes Mal sehr, wenn die behinderten Kinder kamen. Sie behandelte besonders Andrew mit größter Liebe, mit größter Sorgfalt und Respekt.

 

Als ich in den Neunziger-Jahren wieder einmal durch Moskau kam war Andrew gerade von einer Familie nach Novosibirsk adoptiert worden.

 

Die Adoptionsformalitäten waren sehr kompliziert. Ein Extra Arzt mußte Andrew untersuchen und befragen. Andrew beantwortete dem Arzt seine Fragen nicht nur auf Russisch, sondern auch gleichzeitig immer auch auf Englisch, das er von den Schwestern gehört hatte. Als Andrew den Arzt schließlich noch fragte, warum er denn all diese dummen Fragen stelle, schaute der Arzt lange nachdenklich auf das ursprüngliche Gutachten, das Andrew „Lebensuntauglichkeit“ bescheinigte, zerriss es und gab der Adoption grünes Licht.

 

Kambodscha Aids-Kinder

Heute sind es die Schwestern von Mutter Teresa, die den gleichen Geist weitertragen.

Im Juli in Kambodscha habe ich gesehen, was es dort heißt „Kleine Dinge mit großer Liebe zu tun“.

Unter großem persönlichen Risiko begannen die Schwestern dort, Aids-Kranke aufzunehmen. Bisher waren Aids-Infizierte – nach Ausbruch der Krankheit – von ihren Familien ausgestoßen worden, was zur Folge hatte, daß sie ohne irgend eine menschliche Kontaktmöglichkeit meistens im Selbstmord endeten.

 

 

 

6. Kein Aktivismus – sondern praktisches Gottvertrauen

Prinzipien aus dem Leben der Gottesmutter

 

- Mut zum Handeln „in Eile“,

            *zu Elisabeth – Mutter Teresa: wenn wir Jesus bringen, müssen wir „in Eile“ sein

- Mut zum Schweigen

*wunderbare Empfängnis: zu Elisabeth – Gott wird zu anderen sprechen

*zum Hl. Joseph – Gott wird verteidigen

*nach der großen Suche: 3 Tage und 3 Nächte, sie bewahrt alles im Herzen – in der großen Nacht der Seele

- Mut zur Armut

            *armer Geburtsort in Bethlehem – repräsentativ war es nicht

            *Armut der Vertreibung und Flucht nach Ägypten 

- Mut zum (hilflosen) Warten

*Warten auf den Ruf des Engels zur Rückkehr nach Israel

*30 Jahre auf das sich Offenbaren ihres Sohnes – Gott wählt den Augenblick

*Hochzeit in Kana – Vertrauen: Jesus kann helfen

*unter dem Kreuz – Glaube und Hoffnung

*“Mich dürstet“ – totales Mitleiden

*mit den Aposteln im Obergemach – ihr „Dienst“ an der Kirche

 

 

Die Eucharistie und die Armen

 

Mutter Teresa:

Die Eucharistie ist jenseits all unseres Verstehens, wir müssen sie in tiefem Glauben und tiefer Liebe annehmen. Hätte Jesus die Eucharistie nicht eingesetzt, so hätten wir die Kreuzigung vergessen. Sie wäre in die Vergangenheit versunken und wir hätten sie vergessen. Wie man sagt: „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Um ganz sicher zu sein dass wir dies nicht vergessen hat uns Jesus die Eucharistie als Erinnerung seiner Liebe geschenkt und um sicherzugehen dass wir ihn weiterhin lieben gibt er uns sich selbst um unseren Hunger nach ihm zu stillen und er gibt uns die ärmsten der Armen um seinen Hunger nach uns zu stillen.

 

 

Wir dürfen die Eucharistie und die Armen niemals voneinander trennen. Die Armen und die Eucharistie sind EINS. Es gibt den einen nicht ohne den anderen! Wenn wir wirklich glauben, daß Jesus in der Gestalt des Brotes gegenwärtig ist und ER, Jesus, in den Hungrigen, den Nackten, den Kranken, den Einsamen, den Ungeliebten, Heimat- und Hoffnungslosen ist, dann wird unser Leben mehr und mehr von tiefem Glauben durchwoben werden in Jesus, der das Brot des Lebens ist, das MIT und FÜR die Armen gegessen werden muß.

 

 

NIRMAL HRIDOY – das Haus für die Sterbenden – ist der lebendige Tabernakel für den leidenden Christus. Wie rein müssen eure Hände sein, um die geschundenen Leiber zu berühren! Wie rein müssen eure Zungen sein, um Worte des Trostes, des Glaubens und der Liebe sprechen zu können. Für viele von ihnen ist es der erste Kontakt mit Liebe – und es könnte ihr letzter sein! Wie lebendig und präsent muß Seine Gegenwart in Euch sein, wenn ihr wirklich glaubt, was Jesus gesagt hat: „DAS HABT IHR MIR GETAN!“ 

 

Die Missionarinnen der Nächstenliebe in Rio de Janeiro

 

Ich möchte mit einer Geschichte schließen, die mir die Schwestern von Mutter Teresa in Rio vor einiger Zeit erzählt haben.

In einer der Vavelas, wo sich nicht einmal die Polizei hineinwagt, besuchen die Schwestern regelmäßig Familien und einsame Alte. Es herrscht die blinde Gewalt der Drogenmafia. Eines Tages klopft ein junger Mann an das Haus der Schwestern. Sie kennen ihn nicht, sie bitten ihn einzutreten. Er bleibt stehen – beim Hinausgehen sagt er:

„Ich komme aus der Vavela. Gestern habe ich gegen ein Gesetz der Drogenmafia verstoßen. Morgen werde ich tot sein. Niemand kann mich schützen.

Ich wollte als letzten Weg zu Euch kommen, um euch das zu sagen - denn Ihr seid die einzigen Menschen in der Welt, die es interessiert, das zu hören.“

 

 

 

Gebet:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

daß ich liebe, wo man haßt;

daß ich verzeihe, wo man beleidigt;

daß ich Einheit bringe, wo Spaltung ist;

daß ich die Wahrheit bringe, wo Irrtum herrscht;

daß ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

daß ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

daß ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr gib, daß ich nicht so sehr danach trachte,

getröstet zu werden, als vielmehr zu trösten;

nicht so sehr, verstanden zu werden, als zu verstehen;

nicht so sehr geliebt zu werden, als vielmehr zu lieben.

Denn indem ich mich selbst vergesse, empfange ich;

Indem ich verzeihe, wird mir verziehen;

und in meinem Sterben erwache ich zum ewigen Leben.