Welt-Gebets-Kongress für das Leben, in Fatima, 4. – 8. Oktober 2006
„Maria, Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an.” (Johannes Paul II., Evangelium vitae 105)

 

Vortrag Nr. 9

Gehalten am 7. Oktober 2006

von Msgr. Philip J. Reilly

 

 

Golgota heute – Mit Maria und Johannes beim Kreuz stehen

 

 

 

(Anm.: Bei der vorliegenden Version handelt es sich um eine von Msgr. Reilly selbst überarbeitete Fassung des Vortrags in Fatima; daher erklären sich die Abweichungen zwischen der Audio-Fassung und der Text-Fassung).

 

 

 

Heute ertrinken Leute

 

Nehmen wir an, ich suchte Sie auf und bat Sie um Hilfe, weil ein Schiff untergegangen und die Mehrzahl der Passagiere am Ertrinken war. Und ich bat Sie, mit mir zum Ufer zu kommen, um Leute zu retten, doch Sie entgegneten mir: „Stimmt das?“ Ich antwortete: „Ja, das ist wahr. Kommen Sie also mit mir?“ Sie sagten: „Jetzt nicht, denn ich bin Mitglied eines Lebensrettungsclubs und eben heute haben wir einige wichtige Entscheidungen zu treffen.“ Darauf sagte ich: „Was genau daran ist so wichtig?“ Und Sie antworteten, daß es bei Ihrer Arbeit in dem Lebensrettungsclub um ein Komitee geht mit dem Ziel, bessere Schiffe zu bauen, damit Leute nicht ertrinken. Worauf ich sagte: „Aber sie ertrinken heute.“ Sie entgegneten: „Schon, ich weiß, aber wir haben heute eine wirklich wichtige Entscheidung zu treffen.“ „Welche Entscheidung?“ „Na ja, wir sind dabei, ein Logo für unseren Rundbrief zu entwerfen, und wir meinen, ein Schiff könnte ein gutes Logo sein, schließlich sind wir ja eine Lebensrettungsgruppe.“ Darauf ich: “Sie kommen also nicht mit?“ Und Sie sagten: „Im Moment nicht, heute tagt das Komitee.“ Es ist schon eine nette Idee, längerfristig bessere Schiffe zu bauen, aber heute ertrinken Leute, und die Leute, die heute ertrinken, werden nicht in der Lage sein, morgen jene Schiffe zu benutzen.

 

 

Wir alle verlieren an Glaubwürdigkeit, es sei denn, wir gehen zum Ufer

 

Es gibt Leute, die im Lebensschutz mitarbeiten und an wichtigen, längerfristigen Projekten mitwirken, etwa andere im Bereich des Lebensschutzes auszubilden oder ungerechte Gesetze zu ändern. All das ist von großer Bedeutung, und ich möchte nicht entmutigen, doch es gilt, daß zur selben Zeit einige Menschen, die in der Pro-Life-Bewegung mitarbeiten, losgehn, um die Leute zu retten, die heute untergehen. Sie müssen hinunter zum Ufer gehen und versuchen, sie aus dem Wasser zu ziehen, sie zu retten.  Ansonsten verlieren wir alle an Glaubwürdigkeit. Niemand wird auch nur irgendeine Dringlichkeit empfinden, Gesetze für besseren Schiffsbau zu erlassen, und niemand wird tatsächlich glauben, daß Menschen ertrinken, es sei denn, wir gehen zum Ufer.

Wir müssen jederzeit das Evangelium des Lebens fördern

 

Als Staatsbürger sind Sie und ich vor Gott dafür verantwortlich, die Gesetze zu ändern, falls diese das Leben nicht schützen. Als Staatsbürger haben wir unbeirrt daran zu arbeiten, daß unsere Gesetze wahrhaft gerecht sind, und wir haben dafür zu sorgen, daß Abgeordnete in der Regierung sind, die dafür einstehen, daß das menschliche Leben vor und nach der Geburt geschützt ist. Das ist unsere Verpflichtung. Normalerweise wendet das Gesetz Strafen oder selbst sogar abschreckende Maßnahmen oder Druck an, um abzusichern, daß das Leben geschützt ist. Das ist sehr bedeutsam, doch sind wir nicht bloß Staatsbürger; wir sind Christen. Papst Johannes Paul II. betonte in seiner Enzyklika Evangelium vitae, daß wir uns als Staatsbürger gegebenenfalls für den gesetzlichen Schutz jedes unschuldigen menschlichen Lebens einsetzen und dafür abstimmen müssen; doch bestand der Papst darauf, daß wir als Christen, als ein Volk des Lebens und ein Volk für das Leben, jederzeit das Leben zu fördern und das Evangelium des Lebens zu verkünden haben, gleich, ob das Gesetz menschliches Leben schützt oder nicht schützt. Jenseits der Aufgabe, Gesetze zu ändern, sind wir dazu aufgerufen und herausgefordert, die Herzen zu ändern. Und die Mittel, die jemand anwendet, um die Herzen zu ändern, unterscheiden sich von den Mitteln, die jemand anwendet, um Gesetze durchzuführen oder zu ändern. Letztlich vermag nur Gott, die Herzen zu ändern, aber Gott benutzt unser Gebet, unser Fasten und unsere Liebe, um die Herzen zu berühren. Darum tut es not, Gott ernst zu nehmen und unsere Gebete, unser Fasten und unsere Liebe ernst zu nehmen.

 

 

Über das Bezeugen der Wahrheit hinaus

 

Selbst wenn das Gesetz Abtreibung nicht gestattete, die Leute jedoch in ihrem Denken und ihren Herzen sie gutheißen würden und sie heimlich praktizierten, dann wäre es die Verpflichtung der Christen, sich nicht einfach zurückzulehnen, weil nun mal das Gesetz korrekt ist. Im Angesicht Gottes haben wir hinaus zu gehen und daran zu arbeiten, die Herzen zu ändern. Und das Ändern der Herzen bedeutet in der Tiefe etwas anderes als bloßes Zeugnisgeben von der Wahrheit. Die Wahrheit zu bezeugen, ist sozusagen einfach. Es ist einfach zu sagen: „Sie brechen die Zehn Gebote. Sie sind ein Sünder und Sie werden in die Hölle kommen.“ Aber um ein Christ zu sein, sind wir dazu aufgerufen, etwas zu tun, was über das Bezeugen der Wahrheit hinausgeht. Wir sind dazu aufgerufen, Menschen zur Wahrheit zu bekehren. Wir sind aufgerufen, Menschen zu überzeugen, daß sie das Leben annehmen, sie hinzuführen zu einem Verständnis für den Gott des Lebens und ihre Herzen durch Überzeugung zu wandeln. Derjenige, der überzeugt, muß daher wahrhaft christusähnlich sein. Ansonsten werden die Leute nicht reagieren. Die Person, die tatsächlich pro life ist, ist folglich diejenige, die am meisten christusähnlich ist. Die Menschen, die am heiligsten sind, sind diejenigen, die Gott benutzt, um die meisten Leute zu retten.

 

 

Die Leute meinten, in Amerika könnte das nicht passieren

 

Die meisten von Ihnen wissen, daß ich seit etlichen Jahren in der Pro-Life-Bewegung mitarbeite. Nächstes Jahr werden es 40 Jahre sein. 1967 kam ich dazu, das Leben der Ungeborenen zu schützen, und zwar deswegen, weil einige Gesetzgeber in New York versuchten, ein Gesetz zu erlassen, welches Abtreibung legalisierte. Die Schwierigkeit bestand daraufhin darin, die Bürger New Yorks zu überzeugen suchen, daß sich das bald ereignen würde. Die Leute meinten, das könnte nicht passieren, man sei ja schließlich in Amerika. 1970 jedoch änderten die New Yorker Gesetzgeber das Gesetz und wir wurden der Bundesstaat mit dem liberalsten Abtreibungsgesetz weltweit. Von 1970 an konnte man im Bundesstaat New York ein Kind bis zum siebten Monat töten. Und als am 22. Januar 1973 der Oberste Gerichtshof die Urteile Roe v. Wade und Doe v. Bolton erließ, da konnte man in Amerika nun das ungeborene Kind die neun Monate der Schwangerschaft hindurch töten, genaugenommen ohne jede Begründung beziehungsweise praktisch auf Wunsch hin. Selbst wenn morgen diese Urteile des Obersten Gerichtshofes aufgehoben würden, dann würde dies in jedem Bundesstaat die Gesetze lediglich zurückversetzen in den Stand, den sie vor 1973 hatten. Im Bundesstaat New York wäre dies allerdings wenig hilfreich, denn als Ergebnis des New Yorker Abtreibungsgesetzes aus dem Jahre 1970 könnte man in New York weiterhin das Kind bis zum siebten Monat töten. Unsere Aufgabe war und ist daher noch immer sehr schwer.

 

 

Gouverneur Rockefeller legte gegen die Berufung Einspruch ein

 

Von 1967 bis 1970 arbeiteten wir daran, das Gesetz gegen Abtreibung im Bundesstaat New York aufrechtzuerhalten. 1970 ging dann auf tragische Weise das neue Abtreibungsgesetz durch, als nämlich zuletzt ein Politiker in allerletzter Minute seine Stimmabgabe änderte, um ‚Frieden’ in seiner Familie zu haben. Das Gesetz ging durch, und die beiden nächsten Jahre arbeiteten wir daran, Berufung gegen das Gesetz einzulegen, was wir schließlich mit einem 11-Stimmen-Vorsprung taten. Doch daraufhin legte Gouverneur Rockefeller Einspruch gegen die Berufung ein, 1973 erlaubte der Oberste Gerichtshof Abtreibung, damit mußten wir von der Bundesstaatsebene zur Bundesebene übergehen. Wir beschlossen, das, was wir in Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, in Angriff genommen hatten, nun in Washington D.C., der Hauptstadt Amerikas, in Angriff zu nehmen. So kam es, daß die Lebensschützer aus dem Bundesstaat New York, zusammen mit einer jungen Frau namens Nelly Gray in D.C., dabei halfen, den ersten „Marsch für das Leben“ zu organisieren, und zwar am 22. Januar 1974 in Washington D.C. Dr. Ada Ryan, mit der ich befreundet war, war damals die Hauptrednerin. Zu diesem ersten Marsch in Washington kamen an die 15.000 Menschen. Es war eigentlich kein Marsch, wir versammelten uns einfach vor dem Capitol und gingen schließlich auf dem Gehsteig rund ums Capitol. Doch aus diesen bescheidenen Anfängen im Jahre 1974 entstand der große Marsch für das Leben in Washington D.C., bei dem jedes Jahr am 22. Januar mehr als 100.000 Menschen aus dem ganzen Land nach Washington D.C. kommen.

 

 

Wir versuchten anderes, aber das Töten ging weiter

 

Wir versuchten anderes, doch die Kultur des Todes nahm ständig zu. 1973 behielt ich einen Teil der Steuern ein und weigerte mich derart, für Abtreibungen zu bezahlen. Henry Hyde, ein junger Kongreßabgeordneter aus Illinois, beantragte eine Gesetzesänderung bezüglich des Fördermittel-Gesetzes, um zu verhindern, daß Steuergelder benutzt werden, um Abtreibungen zu finanzieren. Schließlich war ich 1976/77 in den Gerichtsfall involviert, der sich mit der „Hyde Novellierung“ befaßte. Ich gab Zeugnis, und meine Steuerformulare waren zudem in dem juristischen Schriftsatz enthalten, der schnurstracks weitergeleitet wurde zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Am 6. Januar 1978 nahm ich an der ersten „Rescue“ in New York City teil. Es war bei der Abtreibungsklinik, die ehemals von Dr. Bernard Nathanson geleitet wurde. Im November 1978 nahm ich teil am 100-Meilen-Pro-Life-Marsch durch die Wüste im Death Valley in Kalifornien. 1980 schließlich erklärte der Oberste Gerichtshof, der sich mit der „Hyde Novellierung“ befaßte, daß die Regierung nicht für Abtreibungen aufzukommen habe, denn die sogenannte Behandlungsmethode der Abtreibung sei eher eine freiwillige denn eine notwendige Operation. Doch das Töten der Ungeborenen ging in den 80er Jahren weiter, da die gewählten Politiker der größten Bundesstaaten in den USA es vorzogen, Abtreibungen zu bezahlen, selbst wenn es eher Wahleingriffe denn notwendige Eingriffe waren.

 

 

Amerika hielt daran fest, tiefer in eine Kultur des Todes abzusinken

 

In den späten 80er Jahren gab es in den Vereinigten Staaten eine Bewegung, die sich „Operation Rescue“ nannte und auf dem Grundsatz fußte, daß – wenn wir tatsächlich der Meinung waren, daß die ungeborenen Kinder ungerechterweise sterben – wir auch bereit sein sollten, ins Gefängnis zu gehen, um diese Wahrheit zu bezeugen. So kam es, daß Zehntausende von Menschen in Amerika auf friedliche Art die Eingangstüren der Abtreibungskliniken blockierten, verhaftet wurden und ins Gefängnis kamen. Zehn mal mehr Leute wurden in diesen wenigen Jahren verhaftet als in all den Jahren der Bürgerrechtsbewegung in Amerika. Ich nahm an vielen Orten Amerikas an mehreren Rescues vor den Abtreibungskliniken teil und wurde mehr als einmal verhaftet. Aber die großen, hauptsächlichen Medien, die für die Abtreibungsgesetzgebung waren, stellten die aufopferungsvollen und friedlichen Lebensschützer, die vor den Abtreibungs- „Kliniken“ verhaftet wurden, als Terroristen dar. Und die Abtreibungen gingen in Amerika weiter, an die einundeinhalb Millionen jedes Jahr. Und Amerika als Gesellschaft versank tiefer und tiefer in einer Kultur des Todes.

 

 

Schmerzvolles Bewußtwerden meiner Hilflosigkeit

 

1989 endlich, nachdem ich nun 22 Jahre mitgearbeitet hatte, kniete ich vor dem Allerheiligsten nieder und sagte einfach zum Herrn: „Ich geb’ auf. Ich halt’ das Töten nicht auf. Egal was wir machen, es wird schlimmer und schlimmer und schlimmer.“ Es war für mich ein unfaßbarer Augenblick der Gnade, denn der Herr machte mir schmerzhaft meine Hilflosigkeit angesichts dieses ständig zunehmenden Bösen, angesichts dieser Kultur des Todes, bewußt. Und darum sagte ich zum Herrn: „Ich geb’ auf, ich schaff’s nicht. Du allein, allmächtiger Gott, kannst es, und ich habe Dich nicht ernstgenommen.“ Sehen Sie, das, was so oft passierte, war, daß ich die Dinge ändern wollte und daß ich dazu Gott ein paar Gebete hinwerfen und Ihn um Seine Hilfe angehen würde, damit ich das Böse änderte. Die Betonung lag auf mir. Ich war derjenige, der dies tat, ich war derjenige, der jenes tat, und konnte doch keinen Segen verbreiten, denn das Übel wurde weiterhin schlimmer und schlimmer. Es war zu diesem Zeitpunkt, daß der allmächtige Gott sagte: „Weißt du, Monsignore, du bist ein äußerst störrischer Ire. Es hat lange gedauert, bis du die Lektion gelernt hast, daß du es nicht schaffst; Ich allein vermag es.“ Und schließlich sagte ich zu Gott: „Was willst Du, das ich tun soll, damit Du es schaffst?“ Gott antwortete: „Nimm die Armee, die Ich dir geben werde, und geh’ nach draußen, vor diese Tötungszentren, und bete den ROSENKRANZ.“

 

 

 

Allein die geistliche Waffe des Rosenkranzes benutzen

 

Die Armee, die Gott mir gab, bestand aus drei Großmüttern, einem Großvater und einer jungen Arbeiterin. Ich sagte daher zu Gott: „Ist dies die Armee, die Du mir gibst, um die ‚Kultur des Todes’ zu überwältigen?“ Und Gott sagte zu mir: „Monsignore, wenn Ich dir auch nur etwas mehr geben würde, um damit anzufangen, würdest du wieder einmal meinen, daß nicht Ich, sondern vielmehr du es bist, der es schafft. Nimm deine Armee und geh.“ Und so kam es, daß wir am 7. Oktober 1989, am Festtag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, in den Kampf zogen. Es ist gewiß kein Zufall, daß morgen, am 7. Oktober 2006 und also wieder am Festtag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, Bischof Karl Josef Romer, der Generalsekretär des Päpstlichen Rates für die Familie, uns hier in Fatima zur Weihe der gesamten Lebensschutzbewegung an das Unbefleckte Herz Mariens führen wird. Wir marschierten also am Festtag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz vor eine der größten Abtreibungskliniken in New York, zu einem Platz, der „Choices“ (Wahlmöglichkeiten) hieß. Wir: ich, gemeinsam mit den fünf Soldaten, die Gott mir gab. HerWährend wir stark das Gefühl persönlicher Ohnmacht erlebten, standen wir dort und benutzten lediglich den Rosenkranz als geistliche Waffe. Wir fingen an diesem speziellen Tag um acht Uhr morgens an – bis zwölf Uhr; einhundert Frauen waren zur Abtreibung in die ‚Klinik’ hinein gegangen. An einem einzigen Tag waren bei einer der Abtreibungsstätten in New York City einhundert Frauen zur Abtreibung in die Abtreibungsstätte hinein gegangen. Das Ungeheuerliche des Übels war wirklich bis zum Gehtnichtmehr an diesem Morgen da.

 

 

Wenn das Opfer dastünde

 

Allzu lange war einer der Fehler, die wir in der Pro-Life-Bewegung in Amerika machten, der, daß wir nicht auf Golgota anwesend waren. Wir gingen überall hin, ausgenommen zu dem Ort, wo sich für die Gegenseite, für die Kultur des Todes, der schwächste Punkt befand, die Achillesferse. Gemeint ist damit dieser in nichts gutzuheißende Ort, wo das Blut der unschuldigen Opfer gewaltsam und unrechtmäßig vergossen wird. Wenn man über Abtreibung und Freiheit an der Hochschule diskutiert; wenn man für einen Gesetzesentwurf in der Kongreßhalle eintritt, dann klingt das alles so vernünftig. Sie sind pro-life; wir sind pro-choice. Wir müssen lernen, miteinander auszukommen, denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in einer „Demokratie“. Alles klingt so vernünftig, weil nämlich die Person, um deren Tötung es geht, nicht zur Konversation dazugehört, das Opfer ist nicht anwesend. Was aber, wenn das Opfer dastünde und sagte: „Leute, redet ihr gerade darüber, mich umzubringen? Du dort sagst, du willst mich töten, und du dort sagst, du bist dagegen, mich zu töten, aber du bist dafür, daß die Person, die mich umbringen will, die Wahl hat. Seid ihr beide übergeschnappt?“

 

 

Unterhaltungen dieser Art verlieren jede Grundlage

 

Wenn Sie nach Golgota gehen, verlieren solche Unterhaltungen jede Grundlage. Wenn Sie auf Golgota stehen, draußen, an diesen Orten des Todes, dann sehen Sie das Opfer, oder vielmehr die Opfer, denn es gibt zwei, die Opfer sind: das Kind, für das es kein Morgen gibt, und die Frau, die herausfinden wird, daß die Abtreibung das Gestern nicht zurückbringt, sondern ihren Frieden zugrunderichtet – morgen. Es gibt zwei Opfer. Und wenn Sie dort stehen, dann werden selbst diejenigen, die sozusagen ‚für die Wahl’, für die Abtreibung sind, sich dafür entschuldigen, daß dies stattfindet, und sie reden nicht länger davon wie von einem Nutzen, sondern eher wie von einem meist unumgänglichen Übel.

 

 

Jetzt gibt es mehr als 3000 Lebenszentren für Schwangere in Not in den USA

 

Als wir draußen vor der Abtreibungsklinik standen, fühlten sich einige der „Helpers“ (Helfer) angeregt, mit einigen der Frauen, die zur Abtreibung kamen, zu sprechen. Und sie merkten, daß eine Anzahl von Frauen tatsächlich haltmachte und zuhörte. Und schnell wurde uns klar, daß wir ihnen nicht viel anzubieten hatten. Als wir anfingen, waren die Hilfsangebote für Frauen in Krisenschwangerschaften begrenzt. Als am 22. Januar 1973 durch das schändliche Roe-v.-Wade-Urteil des Obersten Gerichtshofes die Anti-Abtreibungs-Gesetzgebung abgeschafft wurde, gab es in Amerika nur wenige Lebenszentren für Schwangere in Not. Heutzutage gibt es 700 Stellen, wo man abtreiben kann und wo es Abtreibungskliniken gibt, aber es gibt jetzt mehr als 3000 Lebenszentren für Schwangere in Not in den Vereinigten Staaten. Diese Lebenszentren sind sehr, sehr wichtige Orte, wo Frauen Beratung erfahren und Hilfe bekommen können. Für manche Lebensschützer ist es wichtig, solche Lebenszentren zu unterhalten. Wir fuhren unterdessen fort, den Rosenkranz zu beten, und während wir unsere eigene Hilflosigkeit erlebten, staunten wir, wie Gott begann, das Töten zu beenden. Doch fuhren wir mit dem Gebet fort, denn eben das war, was Gott wollte.

 

 

Wir müssen die Frau und ihren Sohn ernstnehmen

 

Gott gab uns wirklich vom allerersten Anfang an die Antwort darauf, wie die Kultur des Todes zu überwinden und wie der Sieg zu erringen ist. Gestern sagte ich euch, daß die Kultur des Todes ihren Ausgang im Garten Eden nahm und vom Teufel angeregt wurde. Darum begannen – kaum daß Adam und Eva Gott den Gehorsam verweigert hatten – ihre Kinder einander zu töten. Und seitdem haben wir damit weitergemacht, einander zu töten. Im Garten Eden hat uns der allmächtige Gott allerdings die Lösung für den Sieg der ‚Kultur des Lebens’ gegeben. Er sagte: „Ich werde eine Frau senden, und ihr Sohn wird der Schlange den Kopf zertreten“, und er wird die Kultur des Lebens wiederherstellen. Wir versuchen so oft, es ohne die Frau und ihren Sohn zu schaffen, und können es doch nicht. Wir legen Nachdruck darauf, daß wir Staatsbürger sind, denen aufgetragen ist, das Gesetz zu ändern. Wir verstehen nicht, daß wir Christen zu sein haben, die Herzen ändern. Und um Herzen zu ändern, müssen wir die Frau und ihren Sohn ernstnehmen. Wir haben es nötig, die machtvolle Fürsprache Mariens und die verwandelnde Kraft ihres Sohnes zu erbitten.

 

 

Der geistliche Kampf hält bis zum heutigen Tag an

 

Im 12. Kapitel des Buchs der Offenbarung hören wir von der Frau am Himmel, die mit der Sonne bekleidet ist, mit dem Mond unter ihren Füßen und einem Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und in Geburtswehen. Und der große Drache, die alte Schlange, die Teufel und Satan genannt wird, stand vor der Frau und hoffte, das Kind zu verschlingen, sobald es die Frau gebar; aber es gelang ihm nicht. Darum geriet der Drache in Zorn und ging fort, um mit ihren übrigen Nachkommen Krieg zu führen. Und der geistliche Kampf hält bis heute an. Das Bildnis Unserer Lieben Frau, das am besten die Frau am Himmel abzubilden scheint, ist zweifellos Unsere Liebe Frau von Guadalupe. Derart ist es durchaus passend, daß die Kirche die Lebensschutzbewegung der Muttergottes als Unserer Lieben Frau von Guadalupe anvertrauen sollte. Sie ist die offizielle Patronin der gesamten Lebensschutzbewegung.

 

 

Etwas Erstaunliches geschah

 

Die Wochen und Monate zogen ins Land, und etwas Erstaunliches geschah. Andere Leute begannen, zu uns zu kommen und mit uns am Gehsteig vor der Abtreibungsklinik zu beten. Und innerhalb weniger Monate waren wir zu 60 vor der Abtreibungsstätte, die Rosenkranz beteten und zum Teil zu beraten anfingen. Zu dieser Zeit war ich Rektor des in der Diözese Brooklyn ansässigen Priesterseminars. Bischof Daily wurde schließlich als neuer Bischof für die Diözese Brooklyn ernannt. Vor seiner offiziellen Einführung besuchte der Bischof die Diözese. Er kündigte an, es würde ihm gefallen, ins Seminar zu kommen und mit den jungen Seminaristen die heilige Messe zu feiern. Er besuchte uns also, und als er kam, reichte ich ihm meinen Meßkelch zum Gebrauch während der heiligen Messe. Dieser Kelch nun wurde mir von meiner Mutter und meinem Vater geschenkt, die vor ihrem Heimgang in den Himmel auf mich aufpaßten und es auch weiterhin tun. So kam es denn, daß der Bischof in unserer Diözese seine erste heilige Messe feierte und dabei den Meßkelch benutzte, den meine Mutter und mein Vater mir geschenkt hatten, und mir war klar, daß dies gefährlich war.

 

 

Ich wußte, meine Mutter würde viel zu tun haben

 

Während der heiligen Messe war mir klar, daß meine Mutter viel zu tun haben würde. Tatsächlich konnte ich sehen, wie sie zur Muttergottes, die sie gewaltig liebte, ging und zu Maria sagte: „Maria, bitte sag’ deinem Sohn, er solle dem Bischof sagen, er solle meinem Sohn helfen.“ Und so geschah es. Nach der heiligen Messe kam der Bischof aus der Kapelle hinunter in die Bibliothek, wo wir etwas Kaffee und Gebäck vorbereitet hatten. Ich dachte, er würde mich nun nach den Seminaristen fragen, wie es ihnen ginge, nach ihrem Fortschritt und so weiter. Stattdessen war das erste, was er zu mir sagte: „Monsignore, ich hörte, daß Sie auf der Straße vor Abtreibungskliniken beten.“ Ich dachte mir, es ist besser, ihm die Wahrheit zu erzählen, darum sagte ich: „Ja, Exzellenz, das tu ich.“ Darauf sagte er zu mir: „Darf ich kommen und mit Ihnen beten?“ Und ich antwortete: „Ja, Exzellenz, doch wenn Sie kommen, darf ich dann anderen Bescheid geben und kann zu Begin eine heilige Messe sein?“ Er entgegnete: „Tun Sie, was Sie für richtig halten.“

 

 

Die Polizei war ein bißchen mißtrauisch

 

Der Bischof kam also. Wir gingen daraufhin zur Pfarrei und fragten den Ortspfarrer, ob wir eine Messe für das Leben feiern könnten? Er war unschlüssig und zögerte die Antwort hinaus. Darum sagte ich: „… und der Bischof würde gerne die Messe feiern.“ Darauf er: „Der Bischof würde gerne die Messe feiern!!“ „Ja“, sagte ich, „der Bischof würde gerne die Messe feiern.“ Daraufhin sagte der Pfarrer: „In Ordnung, Sie können die Messe feiern.“ Und ich sagte noch: „Übrigens, ich werde die ganze Diözese einladen.“ Genauso machten wir’s; und weil damals in Amerika die Zeit von Operation Rescue war und die Polizei wußte, daß ich in Operation Rescue involviert war, war die Polizei ein wenig mißtrauisch hinsichtlich dessen, was da wohl stattfinden würde. Deshalb sprach ich im Vorfeld mit ihnen und informierte und versicherte sie, daß die Vorgehensweise der Helpers eine andere sei.

 

 

Die erste Helpers-Gebetsvigil für das Leben

 

Der Bischof kam am zweiten Samstag im Juni 1990. Und es kamen 1000 Menschen zu dieser ersten Helpers-Gebetsvigil-Messe für das Leben und zur Rosenkranz-Prozession. Was wir machten, ähnelte dem, was wir gestern abend machten, als wir nach der Eucharistiefeier eine Prozession über den Basilikavorplatz hier in Fatima abhielten. Bei einer Gebetsvigil der Helfer von Gottes Kostbaren Kindern geht es ähnlich zu: Der Bischof feiert die heilige Messe, am Ende der Messe wird das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Daraufhin verläßt der Bischof den Altarraum. Einige Minuten später kommt der Bischof wieder nach draußen und beginnt vor dem ausgesetzten Allerheiligsten mit dem Rosenkranz. Der Bischof betet den ersten Teil des Vater unser und der Gegrüßet seist du, Maria, die Gläubigen beten den zweiten Teil der Gebete. Walkie-Talkies werden unter den Leuten verteilt. Der Bischof geht sodann den Mittelgang der Kirche hinunter zum Ausgang, betet weiterhin den Rosenkranz und leitet die Leute an, die Kirchenbänke zu verlassen und ihm nachzufolgen. Einige der Laute bleiben in der Kirche, wo sie Anbetung halten, bis wir zurückkehren.

 

 

Wir aber gehen nach draußen

 

Wir gehen in Prozession, singend und betend, so wie es jeden Abend hier im Heiligtum von Fatima geschieht, doch verlassen wir das Gelände, wir gehen durch die Kirchentür nach draußen auf die Straßen. Wir bringen Christus auf den Marktplatz. Die Polizei, die von uns informiert wurde, holt uns an der Kirchentüre ab und geht unserer Prozession in die Straßen voran. Ein Bildnis U. Lb. Frau von Guadalupe wird bei der Prozession vorneweg getragen, dann folgen der Bischof und das Gottesvolk. Alle sind plötzlich auf dem Kreuzweg: die Polizei, die Muttergottes, der Gute Hirte in Gestalt des Bischofs, und das Volk Gottes. Tatsächlich geht unser Weg nach Kalvaria beziehungweise nach Golgota – dem Golgota unserer Tage.

 

 

Plötzlich wurde ich gewahr, was geschehen war

 

Alle, die an einer Helpers-Gebetsvigil teilnehmen, haben dieselben grundlegenden Richtlinien zu befolgen. Wir üben ein Redefasten, denn vom Beginn der heiligen Messe an bis zum Schlußsegen wird auf Reden verzichtet. Normalerweise beten wir die zwanzig Gesätze des Rosenkranzes und singen zwischen jedem Geheimnis, nach jedem Gesätz, ein Lied. Derart, betend und singend, gehen wir in Prozession durch die Straßen, bis wir schließlich an der Stelle anhalten, wo den unschuldigen ungebornen Kindern das Leben genommen wird. Die draußen gelegenen Abtreibungskliniken sahen an jenem Tag plötzlich um die Ecke ein unglaublich fantastisches Zeichen kommen: die Polizei, dann die wunderbare Ikone der Muttergottes, U. Lb. Frau von Guadalupe, dann den Bischof und das betende und singende Volk Gottes, die auf diese Art und Weise Gottes Gegenwart vor die Abtreibungsklinik bringen. Und damals, an jenem Tag, als ich dort war, wurde ich plötzlich gewahr, was im Laufe von sechs Monaten geschehen war. Wir hatten zu fünft begonnen, fünf Personen, die vor Abtreibungsstätten den Rosenkranz beteten, und jetzt waren wir an die Tausend, der Bischof der Diözese Brooklyn war dabei, die Polizei, die Medien (praktisch jeder TV-Sender) und alle Zeitungen waren da und berichteten über die Helpers-Gebetsvigil. Und ein jeder, der das Volk Gottes dort in den Straßen stehen und beten und singen sah, wußte, daß die Kirche Gottes weiterhin lebt und ihr Licht weithin aufstrahlen läßt. Der tiefgreifende Unterschied bestand darin, daß wir nun Gott ernst nahmen, und Gott stellte uns die Armee zur Verfügung, um die Kultur des Todes zu überwinden.

 

 

Gott hörte nicht auf

 

So begann es. Bischof Daily war der erste Bischof, der die große Gebetsvigil anführte. Ihm folgten Bischof Arias von der Diözese Newark, New Jersey, und daraufhin Bischof Garmendia in der Bronx. Anschließend breiteten sich die Gebetsvigilien überall in den Vereinigten Staaten aus, wo mittlerweile an die Hundert Bischöfe und sechs Kardinäle Gebetsvigilien für das Leben geleitet haben. Und der allmächtige Gott hörte nicht auf. Plötzlich bekam ich da diesen merkwürdigen Anruf von dem Mann, dem ich in Amerika begegnet war und von dem ich, so dachte ich, nie mehr etwas sehen oder hören würde. Mit einem österreichischen Akzent sagte er mir am Telefon: „Sie müssen nach Österreich kommen.“ Ich entgegnete: „Wer sind Sie?“ Und er sagte: „Ich bin Dietmar Fischer aus Wien in Österreich. Sie müssen auf der Stelle kommen! Europa braucht Sie!“ Er ließ nicht locker, ich müßte kommen. So kam es, daß die Gebetsvigilien im Stil der Helpers in Westeuropa und zwar in Wien, Österreich, starteten. Und die Gebetsvigilien breiteten sich nicht nur in anderen Großstädten Österreichs aus, sondern in vielen west- und osteuropäischen Ländern und schließlich auf anderen Kontinenten.

 

 

Wie geht man gegen ein solch’ großes Übel an

Ich meine, und dies steht außer Zweifel, daß weltweit heutzutage New York City die Hauptstadt der Abtreibung ist. Seit der gesetzlichen Freigabe der Abtreibung im Staate New York wurden 3,6 Millionen Kinder in dieser Stadt abgetrieben, und der Herr weiß, wie viele darüber hinaus, wären nicht die Helpers draußen auf den Straßen gestanden, vor den Abtreibungsstätten. Die Frage war, wie kann man gegen ein solch’ großes Übel angehen. Unsere Vorgehensweise war einfach. Nach jeder großen monatlich stattfindenden Gebetsvigil würden wir die Vigil durch wöchentliches oder tägliches Gebet und Gehsteigberatung an denselben Plätzen fortsetzen. Am darauffolgenden Monat würde sodann der Bischof zu einer anderen Abtreibungsklinik gehen; und wir würden die gleiche Gebetspräsenz auch vor diesen Abtreibungsstätten errichten. Und so fingen wir an, die ganze Diözese einzukreisen, wo immer nämlich eine Abtreibungsklinik ist, dorthin geht das Volk Gottes. Und sind wir einmal da, dann kommen wir für das Leben. Die Gebetspräsenz des Volkes Gottes wird bleiben, bis die Klinik zumacht. Die Bischöfe leiten folglich jeden Monat Gebetsvigilien zu unterschiedlichen Abtreibungsstätten hin, doch zur selben Zeit wird an all den anderen Stätten gebetet. Somit beten über die ganze Stadt verteilt plötzlich draußen Leute an den Plätzen, wo Babies sterben und wo deren Mütter ausgebeutet werden. Die Leute, die dort beten, benutzen ein spezielles Helpers-Gebetsbuch. Die großen Gebetsvigilien der Helpers und die anschließende Gebetspräsenz sind ein öffentliches Zeugnis für die Gesellschaft, daß das Leben heilig ist und daß etwas Furchtbares an dieser Stelle geschieht, und daß das Volk Gottes an eben dieser Stelle sein sollte, denn das Töten geht weiter und weiter, Tag für Tag, Jahr um Jahr. Wenn man betend anwesend ist, dann ist das etwas anderes als zu protestieren oder im anderen den Feind zu sehen; man macht vielmehr Gott anwesend und bringt Licht dorthin, wo nur Finsternis ist.

 

 

Der Name und die Sendung sind dasselbe

 

Das Wort infant [die englischsprachige Bezeichnung der Helpers lautet vollständig: Helpers of God’s Precious Infants – Helfer von Gottes Kostbaren Kindern] stammt vom lateinischen Wort for, fari, fatus, welches sprechen meint. Das Partizip Präsens von for lautet fans, fantis und meint: sprechend. Setzt man ein Präfix vor einen Stamm oder eine Wurzel, so verstärkt, ändert oder negiert das Präfix normalerweise die Bedeutung. In unserem Fall negiert das Präfix in das Wurzelwort. Infant meint demnach eine Person, die nicht sprechen kann. Folglich nennen wir auch ein Kind im Mutterschoß infant. Deshalb ist auch eine Person, die Aufträge entgegennimmt, in der Infanterie, da diese Person nicht redet, sondern Aufträge entgegennimmt. Das ungeborene Kind kann also nicht sprechen und benötigt jemanden, der für das kleine Mädchen oder den kleinen Buben spricht. Zu Beginn, so erinnere ich mich, wollten wir uns „Helfer der Heiligen Unschuld“ nennen; doch uns wurde klar, daß viele die Worte „heilige Unschuld“ nicht verstehen würden. Darum beschlossen wir, uns Helpers of the Precious Infants (Helfer der Kostbaren Kinder) zu nennen. Als ich später vor dem ausgesetzten Allerheiligsten betete, fragte ich Gott, ob dieser Name in Ordnung sei: The Helpers of the Precious Infants. Und Gott sagte: „Nein! Nimm das ‚the’ raus und setze stattdessen ‚Gott’ hin, denn die ‚Infants’ sind kostbar, weil sie Gott gehören!“ So wurden wir bekannt als Helfer von Gottes Kostbaren Kindern und deren Mütter. So lautet der Name der Gruppe, und das ist auch, was wir tun.

 

 

Bringt das Lebenszentrum zu ihnen

 

Unsere Anwesenheit draußen vor den Kliniken bekennt öffentlich, daß diese Babies, diese Opfer kostbar sind, weil sie Gott gehören, und wir stehen dort als ihre Stimmen, wir anerkennen ihre Existenz, wir beten für sie und lieben sie. Ebenso, wie Christus nicht allein starb, sondern umgeben war von den Gebeten und der Liebe seiner Mutter, seines Apostels und der anderen Frauen, so stehen auch wir draußen vor jeder Abtreibungsklinik und anerkennen die Existenz der ungeborenen Kinder, wir beten für sie und lieben sie, bevor auch sie auf ungerechte Weise getötet werden. Darum wird vor jeder Klinik gebetet, und es gibt das, was wir ‚eine Ausstellung fürs Leben’ nennen. Die Leute sagen, wir sollten doch einfach die Mütter zu einem Lebenszentrum bringen und dann könnten wir ihnen dieses und jenes zeigen. Darauf sage ich, in Ordnung, bringt das Lebenszentrum zum Gehsteig, draußen vor die Abtreibungsklinik, dann können die Mütter dieses und jenes sich anschauen. Tatsächlich errichten wir ein kleines Lebenszentrum außerhalb der Abtreibungskliniken. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des Kindes, wie der kleine Bub oder das kleine Mädchen ausschauen. Dann gibt es wunderschöne Bilder von Kindern und im Gegensatz dazu Ausstellungsbilder, die die unterschiedlichen Abtreibungsmethoden aufzeigen und wie das abgetriebene Kind aussieht. Bei jedem Abtreibungsgelände gibt es somit eine Ausstellung fürs Leben, Menschen, die beten, und andere, die beraten und den Müttern Hilfe anbieten.

 

 

 

 

 

Vielleicht denken Sie: Wer hört ihm schon zu?

 

Wie Sie nun wissen, stehe ich draußen vor Abtreibungskliniken in New York City und auch anderswo in den Vereinigten Staaten und bete und berate dort – fünf Tage die Woche. Bei der Abtreibungsstätte, wo ich gewöhnlich stehe, herrscht eine starke Gebetsatmosphäre und wir haben Gehsteigberater, die fünf Tage die Woche ihren Dienst tun, von 6:30 Uhr bis 14:00 Uhr. Einer dieser Gehsteigberater ist Mike Marino. Er ist 80 Jahre alt und ist jeden Tag am Platz, die ganze Zeit über. Er ist wunderbar. Er ist den Müttern in Not gegenüber wie ein italienischer Großvater. Er setzt sich für die Kinder ein, er ist die Stimme der Ungeborenen. Und vielleicht denken Sie: Wer hört ihm schon zu? Nun, nahezu jeder hört ihm zu. Tatsächlich meinen sie sogar manchmal, er sei der Priester. Wenn sie manchmal ihre Rosenkränze gesegnet haben wollen, dann gehen sie damit zu ihm hin. Zumal im Winter, wenn es eiskalt draußen ist und wenn wir alle dick eingepackt sind und niemand angeben kann, wer der Priester ist. Was wir also draußen vor den Abtreibungsstätten brauchen, ist genau das: Beratung, Gottes Gegenwart im Gebet, Gebet und Fasten, große Gebetsvigilien. Wir haben Gott fortwährend ernst zu nehmen.

 

 

Die Spiritualität der Helpers

 

Die Spiritualität der Helpers fußt auf der Tatsache, daß der Mystische Leib beauftragt ist, das Werk Jesu fortzusetzen. Jesus kam, um den Willen des Vaters zu tun. Der Wille seines Vaters bestand darin, nach Golgota zu gehen, nach Kalvaria zu gehen und sein Leben hinzugeben für die zerbrochene Welt, die seiner bedarf. Als er sich anschickte, dies zu tun, da wollte Petrus – erinnern Sie sich – ihn aufhalten. Petrus sagte, es ist gefährlich, du bist verrückt, man wird dich umbringen. Und Christus sagte: Du verstehst nicht. Ich gehe nach Kalvaria, ans Kreuz, um eben für die Leute zu sterben, die mich umbringen werden. Ich bin der Priester, und dies ist das neue Opfer, dargebracht für die Welt, die sich von Gott entfremdet hat. Es heißt: die Feinde lieben. Und der allmächtige Gott gibt uns das Beispiel, und er sagt zu uns: Mach du es genauso.

 

 

Gott bittet uns um zwei Zusagen

 

Jesus sagt: Du kannst diese Welt nicht gewaltsam ändern, du kannst nicht Herzen mit Gewalt und Haß verändern. Du mußt etwas tun, was sich davon unterscheidet. Du mußt deine Feinde lieben. Du mußt das Opfer von Kalvaria fortsetzen. Ja, doch wir allein sind dazu zu schwach, und deshalb bittet Gott um zwei Zusagen. Als der allmächtige Gott zur Welt kam, bat er die Muttergottes um zwei Zusagen. Zuerst sagte Gott: „Darf ich in die Wohnung nehmen?“ Und Maria antwortete: „Ja.“ Und das Wort wurde Fleisch! Darauf sagte Gott zu Maria: „Ich wünsche eine weitere Zusage. Möchtest du mich der Welt schenken?“ Und sie sagte: „Ja.“ Am Fuße des Kreuzes stehend, gab uns Maria ihren Sohn, so wie ihr Sohn sein Leben hingab für unsere Erlösung.

Jetzt bittet der allmächtige Gott uns um zwei Zusagen. Wohlgemerkt, in seinem verklärten, auferstandenen Zustand wirkt Christus nicht länger auf Erden. Das Geheimnis des Christseins besteht darin, daß Christus mit dem Volk Gottes in eine mystische Vereinigung eingetreten ist, die wir Kirche nennen, den Mystischen Leib Christi. Derart bittet uns der auferstandene, lebende Christus um die Zusage, daß Sie und ich in die Vereinigung des Lebens und der Liebe eintreten. Durch seinen Leib, die Kirche, setzt damit der auferstandene Christus das Werk des Vaters fort. Anders gesagt, Christus ist auf uns angewiesen, obgleich wir freilich gänzlich von Christus abhängen, um zu tun, worum Er uns bittet.

 

 

Wir alle haben es nötig, geliebt zu werden

 

Christus bittet uns somit um zwei Zusagen. Die erste: „Darf ich in dir Wohnung nehmen?“ Das nennt man Heilige Kommunion. „Warum, Jesus, willst du zu mir kommen?“ Jesus sagt: „Ich möchte in dir Wohnung nehmen und du in mir. Ich will dir mein Leben und meine Liebe geben.“ Unser Heiliger Vater Benedikt XVI. sprach in seiner ersten Enzyklika Deus caritas est von zwei Arten der Liebe: von Eros und Agape. Und er sagte: Eros ist eine Selbstliebe. Der Papst sagte etwas sehr Interessantes. Er sagte: Wir alle benötigen Selbstliebe, wir alles haben es nämlich nötig, geliebt zu werden. Dies ist äußerst wichtig, denn unsere Herzen sind für die Liebe geschaffen. Es ist unglaublich wichtig, daß Sie wissen, daß Gott Sie liebt. Und der heilige Vater sagt, daß Agape die Liebe des Anderen ist, die Liebe Gottes. Der Papst legte Nachdruck darauf, daß die beiden Gebote Jesu: Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben, eines wurden, weil die Kirche die mystische Vereinigung zwischen uns und Jesus ist. Unser Herr sagte: Was immer ihr einem anderen tut, das tut ihr für Jesus. Darum ist es in der neuen Heilsordnung unmöglich, zu sagen, man liebe Gott, wenn man nicht auch den Nächsten liebt.

 

 

Willst du mich zu denen bringen, die am bedürftigsten sind

 

Der allmächtige Gott sagt also zu uns: wir sind aufgerufen, Christus zu lieben und Christus in den Anderen zu dienen, in denen, die am bedürftigsten sind. Wer braucht unsere Hilfe mehr als ein schutzloses ungeborenes Kind, dessen Leben auf ungerechte Weise genommen wird? Und wir bringen Christus zum Anderen. Wir bringen Christus zu Christus. Mit all unserer Schwäche gehen wir nach draußen, jedoch mit der Stärke Christi, Mit der Stärke Gottes in uns. Darf ich in dir Wohnung nehmen, so lautet die erste Anfrage Gottes an uns. Und die zweite Anfrage ähnelt derjenigen an Maria. Der allmächtige Gott sagt: „Darf ich – durch dich, mit dir und in dir – hinaus in die Welt gehen?“  „Herr, wo willst du hingehen?“ Und Jesus sagt: „Ich will wieder nach Golgota gehen, nach Kalvaria. Ich will dorthin gehen, wo Mitternacht herrscht. Ich will zu den Menschen gehen, die in der Falle der Dunkelheit der Sünde und der Kultur des Todes gefangen sind. Ich liebe sie. Ich liebe den Abtreiber. Ich liebe diejenigen, die Abtreibungen durchführen. Ich liebe nicht nur die ungeborenen Kinder. Ich liebe sie alle. Ich will, daß sie diese Liebe wahrnehmen und verstehen. Willst du mich zu denen bringen, die am bedürftigsten sind?“

 

 

Es gibt keine zwei Seiten

 

Die Medien reden gerne von pro-life gegen pro-choice; von Abtreibungsgegnern und Abtreibungsverfechtern. Die Medien gefallen sich darin, ein Bild der Konfrontation und Kontroverse zu entwerfen, daß da nämlich zwei Seiten sind, die sich gegenseitig bekriegen. Schmeißt dieses Bild oder diese Denkart aus eurem Kopf. Die Vorgehensweise der Helpers ist zutiefst anders. Es gibt keine zwei Seiten, denn Gott hat keine Feinde. Wir, die Geschöpfe, mögen uns abwenden und Feinde Gottes werden. Gott jedoch wendet sich nie von dem ab, was er erschaffen und durch sein kostbares Blut erlöst hat. Wir sind heutzutage aufgerufen, den Menschen unserer Zeit diese immerwährende bedingungslose Liebe Gottes präsent zu machen. Über das Retten ungeborener Babies hinaus meint pro-Life daher den Wunsch, daß allen, die in der Dunkelheit von Sünde und Tod gefangen sind, ewiges Leben zuteil werden möge. Pro-life zu sein heißt, Christus gegenwärtig zu machen, Seinen Geist und Sein Leben zu bringen, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Die Person Jesus Christus ist durch uns gegenwärtig zu setzen, durch Gottes heiliges Volk.

 

 

Nichts weniger als Christus wird es vollbringen

 

Unsere Verantwortung und unsere Verpflichtung ist folglich, zu verstehen, daß Gott all diejenigen zu retten wünscht, die in der Kultur des Todes und der Dunkelheit gefangen sind. Er liebt sie, und Er will ihre ewige Rettung, desgleichen haben wir zu tun. Wir haben nicht zu diesen Tötungsstätten zu gehen in einer Haltung der Selbstgerechtigkeit. Wir gehen nicht dorthin, um Streikposten aufzustellen oder um zu protestieren. Wir gehen nicht dorthin, so als seien die anderen die Feinde und wir die Rechtschaffenen. Wir gehen dorthin mit Jesus, so wie Maria und Johannes am Fuße des Kreuzes Jesu anwesend waren. Wir gehen dorthin mit Liebe, die stärker ist als der Haß. Wir gehen nicht dorthin, um die Dunkelheit zu verfluchen. Wir verstehen, daß der einzige Weg, um die Dunkelheit der Kultur des Todes zu beseitigen und aufzulösen, darin besteht, das Licht der Kultur des Lebens zu bringen, welches Christus ist. Wo Irrtum ist, bringen wir Ihn hin, der die Wahrheit ist. Wo Verzweiflung ist, bringen wir die Hoffnung hin, die aus dem Vertrauen in Christi Barmherzigkeit kommt.  Das ist es, was die Menschen wegzieht aus der Kultur des Todes hin zur Kultur des Lebens. Nichts weniger als Christus wird es vollbringen. Und nichts mehr als Christus ist nötig.

 

 

Es gab eine tragische, skandalöse Ausnahme

 

Da ich aus New York City komme und überall auf der Welt umherreise, fragen mich die Leute oft, wo ich gewesen sei, als das World Trade Center zusammenstürzte. Ich will Ihnen die Wahrheit über den 11. September erzählen. Am Abend zuvor war ich tatsächlich um 23 Uhr im World Trade Center, und zwar deswegen, weil eine Pro-Life-Helferin aus Rumänien, Dr. Katrina Malady, bevor sie am 11. abends das Kloster der Kostbaren-Blut-Schwestern verlassen und nach Rumänien zurückkehren würde, ein letztes Mal sehen wollte, zu welch’ großen Leistungen der Mensch fähig ist. Am Morgen des 11., als wir vor der Abtreibungsklinik in Brooklyn, dem Ambulatory Surgery Center, das einige Blocks vom New Yorker Hafen entfernt liegt, die Gehsteigberatung abhielten, flogen die entführten Flugzeuge in die beiden Gebäude und ließen sie in knapp über einer Stunde einstürzen. Als es losging, stoppte an diesem Morgen, so weit ich weiß, alles, ausgenommen die Rettungsdienste. Dennoch gab es eine tragische, skandalöse Ausnahme. Die Abtreibungskliniken in New York City fuhren an diesem Morgen damit fort, die ungeborenen Kinder zu töten.

 

 

Am Mittag wurde es Mitternacht

 

An diesem Morgen wehte der Wind vom unteren Manhattan über den New Yorker Hafen nach Brooklyn, zumal in die Richtung, wo wir die Gehsteigberatung hatten. In Folge davon zog all der Schutt und die Trümmer und der Staub der niedergestürzten Türme über unsere Köpfe hinweg bis zu dem Ausmaß, daß es am Mittag Mitternacht wurde. Während draußen vom Himmel herab Zeugs auf unsere Köpfe fiel, fuhren sie drinnen, in der Abtreibungsstätte 43., Ecke 3. Straße, damit fort, den ganzen Morgen ungeborene Babies zu töten. Derart war es mir unmöglich, wegzugehen, doch Father John Delendick, der Pfarrer der Pfarrei, in der die Abtreibungsstätte lag, mußte an diesem Morgen weg, denn er war einer der beiden katholischen Kapläne der New York City-Feuerwehr. Die nächsten 48 Stunden bekam ich Father Delendick nicht zu Gesicht. Wie Sie vermutlich wissen, starb Father Judge, der andere katholische Kaplan, an diesem Morgen an der Unglücksstelle. Was Sie vermutlich nicht wissen, ist, daß Father Delendick an diesem Morgen beinahe auch an der Unglücksstelle gestorben wäre.

 

 

Sie wußten, worauf sie sich einließen

 

Father Delendick erzählte mir später, wie er am Ground Zero Zeuge des unglaublichen Muts der New Yorker Feuerwehrmänner wurde. Er sagte: Die Feuerwehrmänner schauten auf die brennenden Gebäude, eine Vielzahl von ihnen war Katholiken, sie sagten zum Priester, daß dies schlimmer sei als in der Normandie. Wir kommen nicht mehr zurück. Und sie sagten: Die Bedingungen sind nun eingetreten, daß Sie uns als Priester die Generalabsolution erteilen. Und Father Delendick sagte: Ihr habt recht. Ich werd’s tun. Und die Männer nahmen ihre Helme ab, neigten ihre Köpfe oder knieten nieder und baten Gott um Vergebung. Der Priester erteilte ihnen die Absolution, und sie standen auf, setzen ihre Helme auf und rannten mit ihrer Ausrüstung in die brennenden Gebäude. Als sie im brennenden Gebäude ankamen, funktionierten die Aufzüge nicht, so daß diese Feuerwehrmänner mit all ihrer Ausrüstung die Stiegen hoch mußten – erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock – hin bis zum achten Stockwerk. Während die Leute nach unten rannten, gingen sie höher und höher und halfen den Leuten rauszukommen. Derart retteten sie an jenem Tag 25.000 bis 30.000 Menschen. Und sie rannten weiterhin die Treppen hinauf, und die Leute, denen sie halfen, die Treppen hinunterzukommen, sagten, sie würden nie die Gesichter dieser tapferen Männer vergessen. Die Feuerwehrmänner waren knapp davor, den achten Stock zu erreichen, als die brennenden Gebäude einstürzten – und innerhalb dreier Minuten verloren 350 Feuerwehrmänner ihr Leben. Tatsächlich waren sie Märtyrer, denn sie wußten, worauf sie sich einließen, als sie ihr Leben einsetzten, um andere zu retten. Und sie retteten 25 bis 30 Tausend Menschen. Gewöhnliche Leute, die ihre Pflicht taten – mit außergewöhnlichen Ergebnissen. Diese Feuerwehrmänner machten Amerika betroffen, denn plötzlich waren nicht länger die Hollywoodstars oder auch die Football-, Basketball- oder Baseballspieler die Helden, sondern die Feuerwehrmänner waren die neuen amerikanischen Helden. Dinge wurden zurechtgerückt, so, wie sie sein sollten. Die Helden sind all diese unbekannten, gewöhnlichen Menschen, in all ihren Lebensschicksalen, die treu bis ans Lebensende ihren gewöhnlichen Verpflichtungen nachkommen und Gott erlauben, durch sie zu wirken – mit außergewöhnlichen Ergebnissen.

 

 

Überwältigt von einem starken Gefühl der Hilflosigkeit

 

Es war für mich unmöglich, an diesem Tag zur Unglücksstelle zu gehen, denn das Töten in der Abtreibungsklinik ging weiter. Später am Tag kam ich zum Ground Zero. Ich kam um Mitternacht an. Durch sieben Kontrollpunkte hindurch ging ich geradewegs zu der Stelle, wo die Rettungsaktion stattgefunden hatte. Und als wir dort standen, mit Gesichtsmasken, um die verpestete, gefährliche Luft zu filtern, und die Lebensretter beobachteten, die ihr Leben riskierten, um unter den noch immer brennenden Gebäuderuinen nach Überlebenden zu suchen, überkam einen ein starkes Gefühl der Hilflosigkeit. Zusammen mit mir stand dort Dr. Katharina Malady aus Rumänien, die neun Stunden vor dem Terroranschlag draußen auf den Twin Towers gestanden war und bewundert hatte, was der Mensch alles zu schaffen vermag, und die jetzt mit ansah, wie vor unseren Augen alles dem Erdboden gleich geworden war. Und als wir dort standen, sagte ich: Beten wir den Rosenkranz, und als ich betete, schloß ich meine Augen. Und als ich meine Augen schloß, sah ich erneut die Menschen in diesen Gebäuden, die sich um neun Uhr vormittags auf ihre tägliche Arbeit vorbereiteten, die ein Glas Wasser oder die morgendliche Tasse Kaffee tranken und die sich in ihrer Arbeitsumgebung so sicher und so geschützt fühlten. Und dann brach plötzlich von draußen ein Flugzeug mit 50.000 Gallonen Treibstoff durch die Wände und explodierte wie ein Bombe in ihrer geschützten Umgebung, wo die Angestellten keinen Platz zum Verstecken hatten.

 

 

Zu Tode erschrocken und ohne einen Platz zum Verstecken

 

Und da plötzlich, am Ground Zero, passierte etwas in mir. Mit noch immer geschlossenen Augen sah ich etwas anderes. Ich sah das Folgende. Kein Gebäude sah ich. Ich sah einen Schoß, und in dem Schoß sah ich ein ungeborenes Kind, so sicher, so geschützt, so zufrieden und so geborgen. Und plötzlich sah ich einen Gegenstand, der in diesen Schoß hineinkam und in den geschützten Raum des Schoßes eindrang, das Instrument des Terroristen, des Abtreibers, und das Kind, das zu Tode erschrocken und ohne Ausweichmöglichkeit war, ohne einen Platz, um sich zu verstecken, wurde zerstört. Und in diesem Augenblick wurde mir klar, daß Ground Zero weiter geht. Überall, wo Menschen auf ungerechte Weise das Leben genommen wird, geht Ground Zero weiter, ist heute Golgota; wo unschuldigen Kindern das Leben genommen wird und wo es Lebensretter braucht, die kommen und ihnen helfen. Sie brauchen die gewöhnlichen Leute, die gewöhnliche Dinge mit außergewöhnlichen Ergebnissen tun. Nicht weit von den Plätzen, wo die meisten von uns leben, geht Ground Zero weiter. Dort ist Golgota. Dort ist der Ort, wo Christus heute hingehen würde. Es ist der Ort, wo Johannes und Maria am Fuße des Kreuzes stehen, mit dem leidenden Christus, und es ist der Ort, wo wir sein müssen.

 

 

Solche Zeugen brauchen wir heute

 

Heute sage ich Ihnen: „Habt keine Angst, Lebensretter am Ground Zero zu sein.“ Und wenn ihr dort seid, dann bemüht euch, gleich, was ihr tut, es Christus zu tun, für und in Christus. Und ihr werdet sehen, daß die Dunkelheit, die die Menschen am Sehen hindert, schwindet, wenn ihr das Licht Christi bringt. Ihr werdet merken, daß die Menschen, die im Irrtum gefangen sind, zu glauben beginnen, wenn sie mit Ihm in Kontakt kommen, der die Wahrheit ist. Und wenn ihr das ausdauernde Leiden und die barmherzige Liebe Christi heute spürbar macht, dann werden die Menschen, die in der Kultur des Todes gefangen sind, sich erneut trauen, auf Gottes Vergebung und Liebe zu hoffen. Als sie Christus verhöhnten und verspotteten, war alles, was er sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Solche Zeugen brauchen wir heute. Menschen, die, selbst wenn sie verspottet und verhöhnt werden, nicht mit gleicher Münze zurückzahlen, sondern Christus nachahmen, indem sie mit Liebe antworten. Und dann werden sich die Bekehrung des guten Schächers und des römischen Hauptmanns auch heute ereignen.

Sie haben zu lange warten müssen

 

Heute müssen wir Christus dort, wo heute Golgota ist, gegenwärtig machen. Um dies zu erreichen, müssen wir aus unserer Haltung der Anwesenheit alles entfernen, was die anderen blockieren würde, das Antlitz Christi zu schauen und Seine göttliche Liebe zu berühren. Und dann werden wir siegen, weil dann die Kultur des Lebens weltweit aufstrahlen wird. Wir sind dazu aufgerufen, für die ungeborenen Kinder und deren Mütter Lebensretter Christi zu sein. Wir sind nach Golgota gerufen, nach Kalvaria. Habt keine Angst, nach Golgota zu gehen. Wenn nicht ihr, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? Geht mit Maria und Johannes und seid Gegenwart Christi für die Menschen, die in der Dunkelheit und der Verzweiflung sind. Sie haben zu lange warten müssen. Laßt nicht zu, daß sie  weiterhin warten müssen. Gott segne euch.