Welt-Gebets-Kongress
für das Leben, in Fatima, 4. – 8.
Oktober 2006
„Maria, Dir vertrauen wir die Sache des Lebens an.” (Johannes
Paul II., Evangelium vitae 105)
Vortrag Nr. 10
Gehalten am 7.
Oktober 2006, Rosenkranzfest. Herz-Mariä-Sühnesamstag
von P. Dr. Bernhard Vosicky OCist
Maria, Siegerin in allen Schlachten Gottes
Einleitung
Gertrud von le Fort sagt:
„Maria, Du siegst nicht mit dem Schwert
in der Hand,
sondern mit dem Schwert im Herzen!“
Der Sieg MARIAS ist nicht ein
Niederschmettern oder Zerstören des Feindes, sondern ein Gewinnen, ein Umkehren,
ein Bekehren des Herzens. Maria nimmt den Schmerz und das Leid der Sünde auf
sich – sühnend und stellvertretend – und wandelt so das Böse in das Gute, das
Dunkel in das Licht und die Sünde in das Heil.
Sie trägt und erträgt wie ein Schwert
im Herzen die Sünde der Welt, die Bosheit der Menschheit und wandelt diese
durch Gebet und Opfer und geduldiges Ertragen von Leid und Schmerz in die immer
größere Liebe, die alles erträgt, alles glaubt, alles erhofft und allem
standhält (1Kor 13,7).
Von dieser Wandlungskraft der sühnenden
Liebe spricht schon der Hl. Karmelit Johannes vom Kreuz: „Wo Liebe fehlt, da
liebe Du, so nimmst du stets an Liebe zu!”
Es geht in der Sühnebereitschaft darum,
den Mangel an Liebe auszugleichen. Es geht darum, das Defizit an Güte
aufzuwiegen durch ein entsprechendes Überangebot. Ja es erfolgt ein Ausgleich,
wie er in dem Gebet zum Ausdruck kommt, das vor genau 90 Jahren der Hl. Engel
die Fatimakinder lehrte (1916):
„Mein GOTT, ich glaube an Dich, ich bete
Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung
für die, die nicht an Dich glauben, die nicht auf dich hoffen und die dich
nicht lieben “
Sühne ist Ergänzung des Mangels,
Aufhebung des Defizits, Ausgleich und Behebung des Fehlenden durch ein liebendes Überangebot.
Somit ist die Marienverehrung keine
sentimentale Andachtsform, sondern Notwendigkeit, um die Not zu wenden, um die
Not der Welt in Liebe zu wandeln!
Maria besitzt diese Wandlungskraft über
die Herzen, so wie die gültig geweihten Priester die Wandlungskraft über Brot
und Wein bei der Feier der Hl. Eucharistie.
Teil I: ZWEI MITTEL DES SIEGES DES UNBEFLECKTEN HERZENS
MARIAS
Wir feiern im Jahre 2007 – 90 Jahre
Fatima. Aber feiern wir wirklich? Oder müssen wir nicht beklagen, daß die
Weisungen, die Gott uns durch Maria gegeben hat, weltweit noch viel zu wenig
beachtet werden? Ist der Sieg des Unbefleckten Herzens Maria nicht aufgehalten
worden durch die Lauheit und Oberflächlichkeit von uns Katholiken?
Die Hl. Bernadette Soubirous
von Lourdes sagte einmal:
„Ich fürchte nicht die Feinde der
Kirche, ich fürchte mich vor der Lauheit der Katholiken!”
Fatima ist keine belanglose
Privatoffenbarung, die wir abtun können, sondern päpstlich anerkannt! Noch als
Präfekt der Römischen Glaubenskongregation hat Joseph Kardinal Ratzinger das
3.Geheimnis von Fatima kommentiert und jetzt, als Papst Benedikt XVI., wird er
es gleichsam als gute Saat in den Acker der Kirche einpflügen...
Jeder einsichtige Mensch weiß doch
heute, daß wir auf einem Pulverfaß sitzen, ja daß die Welt vor einem Abgrund
steht, wenn sogar der Hl. Vater, nach seiner Pilgerfahrt durch Bayern, lebensbedroht wird. Nicht nur die atomare
Bedrohung der Welt, sondern der weltweite Terrorismus vor der eigenen Haustüre
sind zu befürchten.
Die verstorbene Lucia sagte zu P.
Augustin Fuentes, dem ehemaligen Postulator im Seligsprechungsprozess für
Francesco und Jacintha:
„Wir haben z w e i hervorragende Mittel zu unserer Verfügung.
a) GEBET und
b) OPFER.
Es ist nun, 90 Jahre nach Fatima, an
der Zeit, daß jeder in eigener Initiative nach den Weisungen der Muttergottes
heilige Werke vollbringt und sein Leben umgestaltet.
Die Madonna sagte, wenn wir nicht hören
und weiter sündigen, wird uns nicht mehr verziehen werden. Es ist dringend
nötig, daß wir uns der schrecklichen Wirklichkeit bewußt werden.
Wir wollen die Seelen nicht mit Angst
erfüllen, sondern nur dringend die Wirklichkeit zum Bewußtsein bringen.
Seitdem die heilige Jungfrau dem Rosenkranzgebet
so großartige Wunderkraft verliehen hat, gibt es weder materielle noch
geistige, nationale noch internationale Probleme, die sich nicht mit dem
Rosenkranz und unseren Opfern lösen ließen. Den Rosenkranz liebevoll und mit
Andacht beten, bedeutet, Maria trösten...
Der brennendste Wunsch der Gottesmutter
ist es, daß wir ihr durch das tägliche Rosenkranzgebet helfen, Seelen zu retten.
Für das bedingungslose, tägliche Rosenkranzgebet haben wir nicht nur Marias
besonderen Schutz für Leib und Seele bei dieser direkten Züchtigung Gottes,
sondern auch eine Sterbestunde, bei der wir ohne bitteren Todeskampf an ihrer
Mutterhand ruhig hinübergleiten in die ewige Herrlichkeit. Dies allein wäre
schon den täglichen Rosenkranz wert. Mit etwas gutem Willen und festem
Entschluß lassen sich bestimmt diese 20 - 30 Minuten fürs Rosenkranzbeten auf
einmal oder in Zeitabständen während des Tages oder der Nacht einschieben.”
Wenn Maria die Siegerin in a l l e n Schlachten Gottes genannt werden kann und
darf, dann auch die Siegerin in der Todesstunde eines jeden von uns. Siegerin
im Endkampf unseres Lebens, im Kampf gegen die Mächte und Gewalten der
Finsternis, die sich gerade in unserer Todesstunde herandrängen werden.
Schon 1967, vor 40 Jahren, sagte der
inzwischen verstorbene Bischof Dr. Rudolf Graber (Regensburg), in der Wiener
Stadthalle, bei der Maria-Namen-Feier des Rosenkranz- Sühnekreuzzuges, in
Anwesenheit des Dieners Gottes P. Petrus Pavlicek OFM:
„Wenn ich weiß, daß die Erde vernichtet
werden kann, oder dass mehrere Nationen vernichtet werden können (durch moderne
Waffen)... Und wenn ich andererseits ebenso gewiß bin, daß dies durch Gebet und
Opfer, Gebet und Buße abgewendet werden kann, dann ist es doch meine heiligste
Pflicht, diese rettenden Mittel einzusetzen. Wenn ich dies unterlasse, mache
ich mich mitschuldig an der Vernichtung dieser Völker. Diese Unterlassung von
Gebet und Opfer ist – so sage ich es in allem Ernst – ein Verbrechen an der
Menschheit...” (R. GRABER, Verkünde das Wort, Regensburg 1968, 118).
Wenn nun Papst Pius XII. in seiner
Weltweihe an das Unbefleckte Herz Marias (1942) Maria als Siegerin in allen
Schlachten Gottes bezeichnet, dann muß dazu gesagt werden, daß Marias Sieg
immer ein demütiger Sieg ist. Es ist immer eine Art Wiederholung der Szene des
Zweikampfes zwischen David und Goliath im Alten Testament. Hier der Riese
Goliath und dort der kleine Hirtenjunge David. Hier der Riese Kommunismus
(Oktoberrevolution 1917) und dort die kleinen Hirtenkinder von Fatima. David
war nur mit einer Schleuder ausgerüstet und mit fünf Kieselsteinen aus dem
Bach. Die Hirtenkinder mit dem Rosenkranz und den fünf Gesätzen und mit
Bußgesinnung und Opferbereitschaft. Dies bringt den ärgsten Riesen zur
Strecke.
„Maria siegt immer”, sagte Kardinal
Hlond von Krakau, Polen. „Aber mit der Waffe des Gebetes und mit der Gesinnung
von Buße und Opfer, wie sie in den Herzen der Fatimakinder zu finden war.“
Der deutsche Kanzler Konrad Adenauer
sagte einmal: „Die Wallfahrtsorte sind die geheimen Hauptstädte der Welt!”
Warum? Weil in ihnen die eigentlichen Schlachten im Kampf gegen Satan, Tod und
Sünde geschlagen werden und der Sieg des Guten über den Bösen erzielt wird.
Papst Benedikt XVI. sagte am 9. September
2006 auf dem Münchener Marienplatz vor der Mariensäule: „Maria, deine Macht ist
das Dienen. Deine Macht ist die Güte!”
Ebenfalls der deutsche Altbundeskanzler
Adenauer soll gesagt haben: „Was wir nicht regieren können, das können wir nur
erbeten.“
Als 1955 die Freiheit Österreichs nach
zehnjähriger Besatzungszeit durch vier alliierte Mächte erzielt wurde und
dieses Land wieder unabhängig wurde, sagte am 10. 09. 1955 Bundeskanzler Ing. Julius Raab:
„Zahlreiche Menschen in Österreich
zweifelten als gläubige Katholiken niemals an der Macht des Gebetes. (Der kleine David Österreich und
die vier Siegermächte des 2. Weltkriegs: USA, Rußland, Frankreich und
Großbritannien). Die Macht des Glaubens hat dem österreichischen Volk die
moralische Stärke gegeben durchzuhalten. Die Macht des Glaubens war es, die uns
aufrechterhalten hat! Unser Gebet war
unsere Waffe und unsere Stärke”
Nicht nur Menschen machen Geschichte,
sondern auch Gott kann entscheidend in die Geschichte und ihre Ereignisse
eingreifen. Nicht nur staatsmännische Klugheit und Verhandlungstaktik sind am
Werk, sondern die Fürbitte Marias und viele zum Rosenkranzgebet gefaltete
Hände.
Dies bewirkte letztlich auch den Sieg
über den Kommunismus in Europa unter Papst Johannes Paul II., den Fall der
Berliner Mauer, den Fall der Stacheldrahtgrenzen und Minenfelder, die Befreiung
der osteuropäischen Staaten.
Teil II: Ein weiteres Mittel zum Sieg Marias: Die Weihe an das Unbefleckte Herz
Vor 54 Jahren (7. Juli 1952) hat Papst
Pius XII., den Wünschen der Muttergottes in Fatima entsprechend, „das gesamte
Volk der Russen in seinen gegenwärtigen Bedrängnissen dem Unbefleckten Herzen
der Jungfrau Maria geweiht.”
Eine weitere Waffe, stärker als
Nuklear- und Neutronenbomben, ein weiteres Mittel zum Sieg Marias: die Weihe an
ihr Unbeflecktes Herz.
David und Goliath – Maria und Marx –
Fatima und Moskau – der polnische Fatimapapst und der Moskauer Kreml und jetzt:
Benedikt XVI. und Hitler...
Vergessen wir nicht, daß der Geburtsort
Joseph Ratzingers, Marktl am Inn, nur wenige Kilometer von der Adolf-Hitler-Stadt
Braunau am Inn entfernt liegt. Am 20.April wurde der Führer geboren und am 19. April
2005 wurde der deutsche Papst gewählt.
In Köln versammelten sich anbetend über
eine Million Jugendliche im 21. Jahrhundert zum Gebet um Frieden und
Gerechtigkeit am Marienfeld inmitten eines Deutschlands, das noch im 20. Jahrhundert
zwei Weltkriege mit Millionen Opfern verschuldete. Ist das nicht auch ein Sieg des
Unbefleckten Herzens Marias?
Das TOTUS TUUS (Ich bin ganz Dein, Maria) des polnischen Pontifex bewirkte
letztlich in der geistlichen Schlacht, im geistlichen Kampf um Europa den Sieg Marias.
„Wollt ihr den totalen Krieg? “ riefen
einst die Nazis in Berlin!
„Wollt ihr die Liebe? – Gott ist die
Liebe – Deus caritas est“, verkündet der deutsche Papst.
„Der lebendige Atem Gottes durchweht
auch (im dritten Jahrtausend) die Geistesgeschichte Europas. Auch heute
offenbart sich Gott im Drama der Geschichte. Daß man dieses Erleben Gottes in der Jetztzeit
bemerkt, darauf kommt es an .Es entscheidet über tote oder lebendige Religiosität”
(Walter NIGG, Große Heilige, Zürich 1952, 123).
Der bayrische Papst Benedikt XVI. in
Deutschland wäre niemals möglich gewesen, hätte nicht schon Kaiser Ferdinand
III. 1640 im furchtbaren Dreißigjährigen Krieg das Heilige Deutsche Reich Maria
geweiht: „Dir, Maria, und Deinem Sohn übergebe ich mich und die Meinen, meine
Frau und meine Kinder, Dir das Römische Reich, an dessen Spitze mich Gott
gestellt hat. Du nimm mich als Deinen an, der für Deinen Sohn, der für Dich
lebt, kämpft, herrscht. So werde ich also Dein sein. Dein sind alle, die mein
sind... Dein sind die Völker und die Heere. Du beschütze sie, Du siege durch
sie. Du herrsche und regiere in ihnen. So gelobe ich in Frömmigkeit und
Gerechtigkeit. Dein Ferdinand 1640.“
Maria hat das ihr geweihte Deutschland
und Österreich immer bewahrt und geschützt, ja gleichsam als Schwert in ihrer
Seele getragen und nach den furchtbaren Zerstörungen des 2. Weltkrieges aus
Schutt und Asche wieder errettet und auferstehen lassen. Sie hat aus diesem
Land des furchtbaren Holocaust am jüdischen Volke einen deutschen Papst auf den
Thron des jüdischen Fischers in Rom berufen, der als einfacher Arbeiter im
Weinberg Gottes auch als Stellvertreter Marias wirken darf.
Auch Kaiser Leopold I. hat nach der
Kaiserkrönung in Frankfurt am Main, vor der Übernahme der Regierungsgeschäfte,
sich der Muttergottes geweiht, am 5. 9. 1658 in Altötting. Eine Übergabe des
ganzen Ich an Maria.
1645 weihte sich Kurfürst Maximilian I.
von Bayern der Mutter Jesu in Altötting. Er vollzog seine Lebensweihe an Maria und
unterschrieb die Weiheformel mit seinem eigenen Blute:
„Zu deinem Leibeigenen erkläre ich mich
dir und ich weihe mich dir, o Jungfrau Maria, Maximilian der Größte der Sünder!”
Diese Monarchen – und das sei besonders
auf dem LEBENSKONGRESS in FATIMA gesagt – diese deutschen Kaiser erkannten, daß
das Leben des Menschen eine bluternste Sache ist. Es waren keine exaltierten
Schwärmer, sondern tief religiöse Menschen.
Sie erkannten, daß das Leben nicht eine Tändelei ist, sondern eine bluternste
Sache, die um den hohen Einsatz für die Ewigkeit weiß. Sie suchten nicht eine
Fun- und Wellness-Gesellschaft unserer Zeit mit Selbstverwirklichung und großer
selbstdarstellerischer Karriere, sondern wollten die Ganzhingabe, die Preisgabe
ihrer selbst an JESUS durch MARIA vollziehen und im konkreten Alltag leben. Sie
setzten Gut, Blut und Leben ein für ihr Volk, für ihre Mitmenschen und hielten sich
an das Wort des Herrn : „Eine größere Liebe
hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde (Joh
15, 13 ).” In der Ewigkeit werden wir einmal erfahren, wie viel Unheil
abgewendet werden konnte durch die
Übereignung ihres Lebens an Maria, an Jesus, an Gott von seiten dieser
christlicher Herrscher.
Am 1. Mai 1948 forderte Papst Pius XII.
in der Enzyklika „Auspicia quaedam” die Weihe aller Diözesen, Pfarreien und
Hausgemeinschaften an Maria. Auch Papst Paul VI. förderte die Weihe an Maria
während des 2. Vatikanischen Konzils von seiten der „Hauskirchen”, das heißt
von seiten der christlichen Familien.
Teil III: Weihe
an das Unbefleckte Herz Marias ist Weihe an das Leben in Fülle
Gerade im Kampf um die Würde des Lebens
der Menschen von der natürlichen Empfängnis bis zum natürlichen Tod ist die
Weihe an das Unbefleckte Herz Marias entscheidend. Warum?
Weil Maria die zweite Eva ist, die
Mutter aller Lebendigen, die Mutter des Lebens.
Sie trägt den göttlichen Sohn in ihrem
jungfräulichen, mütterlichen Schoße als die Fülle des Lebens. Sie hat den
Urheber des Lebens geboren. Sie trägt den in diese Welt hinein, der Weg und
Wahrheit und Leben ist. Sie hat uns den geschenkt, der will, daß wir das Leben haben
und es in Fülle haben.
Hans Eduard HENGSTENBERG hat in seinem
Werk „Die Marienverehrung im Geisteskampf unserer Tage” (Würzburg 1948) schon
aufgezeigt:
- daß der Teufel als
Mörder von Anbeginn in der modernen Massendämonie sich sein
„corpus diabolicum”,
also seinen „diabolischen Leib” schafft. Durch Massenvernichtung im Dritten
Reich und durch Tötung von Kindern im Mutterschoß und Abtreibung in unseren
Tagen setzt Satan seinen „diabolischen Leib” dem mystischen Leib Christi, der
Kirche, entgegen.
- daß der Teufel
durch Vernichtung und Auslöschung der Persönlichkeit das Kollektiv schafft.
Satan ist der Herr der Massen. Er will das Massenmenschentum, das
Man-Sein, nicht die individuelle
Persönlichkeit als einmaliges, unwiederholbares Geschöpf. Er will keine
Personen als Ebenbilder Gottes, sondern eine manipulierbare Massengesellschaft.
Diesem Besessensein unter Ausschluß der freien Persönlichkeit und des freien
Willens in der sturen Masse stellen wir nun die freiwillige Ganzhingabe
gegenüber, die Weihe an Jesus durch Maria, aus der Mitte unserer Person in
Ehrfurcht und Liebe und totaler Bereitschaft, wie es uns die Seligen
Hirtenkinder von Fatima aufzeigen. Diesem Massenmenschentum Satans stellen wir
als Rettung des Persönlichen, als Rettung des individuellen Lebens, die Weihe
an das Unbefleckte Herz Marias gegenüber. Wenn sich die seligen Fatimakinder
dem Herzen der Mutter des Lebens weihen, entgehen sie dem nivellierenden
Zugriff der Masse und damit dem Zugriff Satans. Sie bergen ihre Persönlichkeit
ihr gottgeweihtes Leben, das die individuelle Persönlichkeit nicht aufhebt,
sondern veredelt, in die Arche der Unbefleckten, in das rettende Schiff der
Immaculata, der Mutter der Kirche, das sie zum Hafen des ewigen Lebens führt.
Schon Papst Pius XI. hat 1937 die Feststellung gemacht:
„Unheilvolle Kräfte werden in
wahnsinnigem Bestreben gegen die göttliche und menschliche Ordnung des Lebens
entfesselt, um die ganze menschliche Gesellschaft dem Untergang entgegenzuführen.“
Das ist deutlich genug.
Müssen wir da nicht eine Gegenaktion
großen Stils entfachen? – eine Bewegung
für das LEBEN – pro life?
Hier müssen wir auf Maria verweisen,
die Papst Pius XII. „die Siegerin in allen Schlachten Gottes genannt hat.“ Sie gewinnt auch die Schlacht für das Leben in
unserer Zeit. In einer Zeit, wo es um
das Ganze geht, wo totalitäre Systeme den Menschen völlig und ganz beansprucht
haben, wo Menschen in einem materialistischen Lebensgefühl total beschlagnahmt
wurden und wo Menschen an den Konsumismus nach dem Kommunismus gewöhnt wurden,
in einer solchen Zeit ist die Ganzhingabe an Christus durch Maria geradezu
Pflicht.
Die Weihe an Christus durch Maria nach
der Lehre des Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort wird hier zur
Notwendigkeit. Der Mensch des d r i t t
e n Jahrtausends, der Christ der Zukunft,
darf nicht mehr Sklave von gigantischen Staats- und Gesellschaftsapparaten
werden, die Menschen vernichten und Genozide vollziehen unter der Führung des
Mörders von Anbeginn. Die Christen des dritten Jahrtausends dürfen sich nicht
wieder an die Stelle Gottes setzen in stolzer Überheblichkeit des luziferischen
„non serviam”, ich will nicht dienen.
Die Zukunft liegt in der totalen
Hingabe an Gott, den Herrn des Lebens, und an Maria, die Mutter des Lebens. Sie
ist jene Frau, die nach der Lehre der Kirche alle Irrlehren überwindet, auch
die „Kultur des Todes “, die Satan so sehr propagiert. Sie ist die demütig
Siegende, in allen Schlachten Gottes für
das Leben. Sie ist der mächtigste Widerpart Luzifers, weil sie nicht hinters
Licht führt, sondern in das Licht Gottes und uns Kinder des Lichtes werden
läßt. Darum liegt in der demütigen Unterwerfung unter diese Frau, eben in der
Ganzhingabe an Maria, in der Weihe an ihr Unbeflecktes Herz, die schärfste
Absage an den Geist des Hochmuts von heute. Dieser Hochmut will sich und sein
Leben nicht Gott verdanken und die geschöpfliche Abhängigkeit von Gott nicht
wahrhaben.
Weihe an Maria, nach dem Vorbild der
Seligen von Fatima, ist Weihe an das Leben, das wir dem liebenden Gott
verdanken, der uns zuerst geliebt hat und uns alle an sich zieht. In einer Zeit sexueller Verseuchung ist die Weihe an
die Unbefleckte, an die Mutter der reinen und schönen, der keuschen Liebe
nahezu eine notwendige Veredelung des Menschseins.
So entsteht durch die Weihe an das
Unbefleckte Herz Marias, das die Madonna den Kindern in Fatima zeigte, eine
neue christliche Weltordnung, verbunden mit der Ausgießung des Heiligen
Geistes, in dem alle Dinge neu geschaffen werden und in dem das Angesicht der
Erde erneuert wird (Psalm 103,30).
Am 6. Juni 1979 sagte Papst Johannes
Paul II. in seinem Abschiedsgebet von Jasna Gora, Tschenstochau:
„Erhabene Mutter der Kirche. Dir weihe
ich mich nochmals als Knecht deiner mütterlichen Liebe. Totus tuus. Ganz Dein!
Dir weihe ich die ganze Kirche, bis an die Grenzen der Erde... Mutter nimm uns
an! Mutter verlaß uns nicht! Mutter
führe uns!”
Schon der selige Papst Johannes XXIII.
hat um ein neues Pfingsten gebetet, „auf daß die Kirche mit Maria, der Mutter Jesu,
einmütig und inständig im Gebet verharre und geführt vom hl. Petrus das Reich
des göttlichen Erlösers ausdehne, das Reich der Gerechtigkeit, der Wahrheit,
der Liebe und des Friedens.“
Teil IV: FATIMA
enthüllt die Irrtümer unserer Zeit
a) Himmel und Familie
Am 13. Mai 1917 sagte die hl. Jungfrau
den Kindern: „Habt keine Angst, ich tue euch nichts zuleide.Ich komme vom Himmel!”
Der Himmel ist das Leben in Fülle, das
ewige Leben in GOTT, in unendlicher Freude.
Aber gerade der Himmel spielt im Leben
der Menschen von heute keine große Rolle mehr.
Der moderne Mensch kniet vor der Welt
nieder (Louis BOUYER, Der Verfall des Katholizismus, München 1970, 58)
Wir machen uns der Welt gleichförmig
(Röm 12,2) in der Leugnung des Übernatürlichen. Wir verschreiben uns dem
Irdischen im Zuge einer Säkularisierung-Verweltlichung. Maria sagt: „Ich komme
vom Himmel.” Sie betont die Vertikale, das, was droben ist (Kol 3,1). Und sie
negiert das Horizontale. Das heißt sie ebnet nicht alles ein in die Waagerechte
und in die reine Mitmenschlichkeit. Sie stellt nicht alles auf die gleiche
Ebene, sondern respektiert das Übernatürliche.
Die Seherkinder von Fatima fragen daher
die Hl. Jungfrau nach dem Himmel und ob sie auch in den Himmel kommen werden.
Sie sehnen sich nach dem Himmel. Francesco sagt: „Wenn uns die Menschen töten
werden, dann sind wir bald im Himmel, wie schön ist das! Ich mache mir nichts
daraus zu sterben!”
Hier gibt es keine Gruppendynamik,
keine transzendentale Meditation, keine Theologie der Befreiung, keine
Identitätskrise, sondern wesenhafte Einfachheit, Sehnsucht nach dem Leben in
Fülle, nach dem Leben im Himmel, in Gott. Ein Irrtum unserer Zeit wird enthüllt
in der einfachen Wesenheit der Kinder:
„Der Mensch ist auf Erden, um Gott zu
erkennen und zu lieben und dadurch ewig selig zu werden im Himmel!”
Kinder werden erwählt von Gott, um uns
den Himmel und das wahre Leben zu zeigen. Fatima lenkt den Blick auf das Kind,
auf das Kind in der menschlichen Familie. Es ist höchst aktuell, daß bei der
letzten Erscheinung Mariens in Fatima sich die ganze Heilige Familie zeigte:
Maria, Joseph und das Jesuskind. Damit
will Gott sagen: Das Leben in der Familie ist heute bedroht! Orientiert euch
ganz an der Hl. Familie von Nazareth. Sie ist ein Heiligtum der Liebe des
Lebens und des Glaubens.
Aller Zerfall der Ehe und Familie
findet Heilung im Blick auf die Hl. Familie, der in Fatima geschenkt wird. Alle
Mängel: Ehescheidungen, Geburtenbeschränkungen, Abtreibungen, voreheliche
Beziehungen und vorehelicher Verkehr, Sexualisierung auf allen Ebenen – wo ist
Rettung! Fatima deutet auf die Hl. Familie! Die Familie ist Keimzelle der
Gesellschaft und der Kirche. Jacinta sieht in einer Vision den Heiligen Vater
weinend, das Gesicht zwischen den Händen. Er beweint die Familien und deren
Zerstörung.
b)Sünde ,Teufel und Hölle
Der moderne Mensch und die seichte
Theologie von heute verharmlosen das Böse, leugnen die Sünde oder beschönigen
sie. Auch nimmt so mancher Abschied vom Teufel. Sünde ist im höchsten Fall ein
Betriebsunfall. Sünden machen wir uns selbst mit Gott aus. Gebote Gottes sind
nur unverbindliche Richtlinien und die Autorität soll nur die Entwicklung der
Person fördern. Lappalien brauche ich nicht zu beichten. Gott ist so lieb, daß
er alles verzeihen wird. Wozu Beichte oder Reue oder Buße oder gar Sühne.
Wir huldigen dem Heilsoptimismus und
machen uns keine Sorgen um das ewige Heil.
Fatima ist nun wie ein Blitz aus
heiterem Himmel in die Idylle selbstgezimmerter Erlösung. Fatima zertrümmert
die Leugnung von Sünde, Teufel und Hölle. Für die Seherkinder ist Sünde eine
furchtbare und ernste Angelegenheit, ein radikaler Bruch mit Gott, eine
Abweisung seiner Liebe. Sünde kann man nicht wegwischen und streichen, sie muß
gesühnt werden und es muß Opfer geben. Schon bei der ersten Erscheinung spricht
Maria selbst vom Opfer:
„Wollt ihr euch Gott schenken, bereit
jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen, das er euch schicken wird,
um die Bekehrung der Sünder, von denen so viele auf die Hölle zueilen, zu
erlangen und als Genugtuung für die
Flüche und für alle anderen Beleidigungen, die dem Unbefleckten Herzen Marias
zugefügt werden! “
Die Kinder haben sich feiwillig
Bußübungen auferlegt mit 10, 9 und 7 Jahren und haben alles getan „aus Liebe zu
Jesus und für die Bekehrung der Sünder “. Nie haben sie die Worte MARIAS
vergessen: „Sie sollen den Herrn nicht mehr beleidigen, der schon zu viel
beleidigt wurde!” Bis ins Sterben hinein dachten sie an die Worte: „Betet,
betet, denn wisset, viele kommen in die Hölle, weil niemand für sie betet und
opfert. Bringt Opfer für die Sünder.“
Wir Christen sind mitverantwortlich für
das Seelenheil unserer Mitmenschen. Papst Pius XII. sagte: „Es ist ein
schaudererregendes Geheimnis, daß das Heil vieler abhängig ist von Gebeten und
freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi.”
Es gibt nach Fatima kein leichtes,
unbekümmertes in den Tag-hinein-Leben mehr, sondern den Ernst der Sünde, des
Teufels und der Hölle. Die Kinder lehren die Wahrheit von Buße, Opfer, Verzicht
und Sühne.
c) Das HERZ
Lucia mußte bis ins 3. Jahrtausend
hinein leben (+ 13. Februar 2005), um die Verehrung des Unbefleckten Herzens Marias
in der Welt zu begründen. Das Herz ist der Gegenpol zur kalten Vernunft. Die
fides gegenüber der ratio. Es geht nicht nur um den Intellekt des Menschen, um
Technik und atomare Energie, sondern der Mensch sucht das Herz.
Fulton Sheen hat im Sonnenwunder von
Fatima den prophetischen Hinweis auf die Atomzertrümmerung gesehen.
Der Mensch des dritten Jahrtausends
versucht, das Herz zu eliminieren und dafür alles und jedes zu rationalisieren.
Alles ist machbar und organisierbar, besonders in der Berufs- und Arbeitswelt.
Profitgier und Nutzeffekt sind entscheidend. Das Herz des Menschen ist bedroht.
Einstein erklärt: „Das Problem unserer Tage ist nicht jenes der Atomenergie,
sondern das des menschlichen Herzens.”
Daher zeigt uns und Lucia in Fatima die
Muttergottes ihr Herz. Im Herzen liegt die Rettung. Das Unbefleckte Herz Marias
hebt die eiskalte ratio, die bloße Vernunft auf und schenkt uns mütterliches
Leben, Geborgenheit, Schutz, Liebe, Vertrauen, Güte, Wärme und Licht.
d)Zeichen der Endzeit
Maria ist (Lumen gentium 68) Bild und
Anbeginn der Kirche, die in der kommenden Weltzeit zur Vollendung gelangen wird,
sagt das 2.Vatikanische Konzil. Maria ist Zeichen der sicheren Hoffnung und des
Trostes für das pilgernde Gottesvolk.
Beim ersten Kommen Christi, das
verborgen und arm in dieser Welt war, blieb auch Maria arme Magd und verborgen
vor der Welt. Beim zweiten Kommen Christi wird er herrlich und strahlend sich
offenbaren und auch Maria wird sich der Welt als Königin und Herrscherin
zeigen. Sie wird sich als leuchtendes Zeichen am Himmel offenbaren, wie es in
der Geheimen Offenbarung heißt (Offb 12).
Daher das Sonnenwunder am 13. Oktober
1917, die rotierende Sonne, als Feuerrad der Endzeit, in allen Farben des
Spektrums, des endzeitlichen Regenbogens. Maria ist die Vorläuferin vor der
Wiederkunft des Herrn. Sie bereitet das
Kommen ihres Sohnes vor, wie einst Johannes der Täufer das erste Kommen Jesu.
Sie führt uns solange, bis der Herr kommen wird in Herrlichkeit zu richten die
Lebenden und die Toten. Sie sorgt, daß wir zu den Gesegneten gehören und nicht
zu denen, die weichen müssen in das ewige Feuer (Mt.25, 34.41).
Der russische Dichter und Denker
SOLOWJEFF berichtet in seiner Erzählung vom Antichrist: daß unter dem Druck der
Verfolgung sich „in der Finsternis der Nacht auf einer einsamen Höhe die
Vereinigung der Kirchen vollzog.” Die nächtliche Dunkelheit erhellte sich
plötzlich durch einen hellen Glanz. Ein mächtiges Zeichen erschien am Himmel –
signum magnum apparuit – Offb 12 – eine Frau mit der Sonne bekleidet, unter den
Füßen der Mond und zwölf Sterne um ihr Haupt. Die Erscheinung stand eine Weile
still, dann bewegte sie sich langsam, nach Süden. Papst Petrus hob seinen
Krummstab und rief aus: „Das ist unsere Fahne! Folgen wir ihr!” Und er ging in
die Richtung der Erscheinung, begleitet von den beiden Ältesten und der ganzen
Schar der Christen zum Berge des Herrn.
Möge Papst Benedikt auf Seiner Reise
nach Konstantinopel (Istanbul) auch Maria entgegen gehen mit den beiden
Ältesten, den beiden Patriarchen des Ostens, am Andreasfest 2006, und ihrem
mütterlichen Geschick die Einheit der Kirche überantworten.
Wenn wir uns persönlich von neuem
MARIA, der Mutter des Lebens, anvertrauen und weihen, dann wird sie uns als
sicheres Hoffnungszeichen zur Fülle des Lebens führen und ein Trost bleiben für
die ganze Kirche, das pilgernde Gottesvolk auf Erden.